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Brandungsangeln - Anfänger fischen oft im Trüben
In der Hochsaison am Atlantischen Ozean an der Westküste Namibias von September bis April werfen täglich bis zu 5.000
Angler ihre Ruten aus. Doch wer gibt einem Anfänger gute Tipps, zeigt einem Neuling, wie man den Haken und das Stück Blei an der Angelschnur richtig befestigt, für welche Köder man sich entscheidet, welches die
beste Tageszeit ist, was es für Hilfsmittel gibt, um die Angel nicht stundenlang in der Hand halten zu müssen? Diesen Mann fanden wir: Sein Name Roy Lewey, Mitglied der Namibischen Angelnationalmannschaft. Er nahm
uns einen ganzen Tag mit ans Meer.
Der 54-jährige in Südafrika in der Nähe von Port Elisabeth geborene Roy Lewey lernte das Angeln von der Pike auf, gilt als Fachmann, hat einen guten Namen als Angelexperte,
holte schon mit sieben Jahren die ersten Fische aus dem Indischen Ozean, nicht mit der Angelrute, nein, mit einer Schleuder. Er stand zwischen Felsen und Klippen, an Buchten und freute sich über seine Weiß- und
Silberfische, wenn sie am Haken zappelten. Kaum drückte er ein Jahr die Schulbank, da durfte er das erste Mal eine richtige Angel in die Hand nehmen und diesem Hobby frönt der Geschäftsmann heute noch.
Gerade hatte er 1975 aus beruflichen Gründen Namibischen Boden
betreten, da führte ihn sein erster Weg ans Wasser und er lernte den Unterschied zwischen Indischem und Atlantischem Ozean kennen: da blaues hier grünes Wasser, auch in der Nase spürte er
es: der Atlantische Ozean roch intensiver. Warum er dieses Hobby so leidenschaftlich betreibt? "Hier kann ich entspannen, abschalten, hier finde ich zu mir selbst und habe meine Ruhe" lautete seine Antwort.
Als wir uns mit ihm am Atlantischen Ozean ein Plätzchen ausgesucht und die Angeln ins Wasser geworfen hatten, halten wir fest: Es ist der 18. September 2004, 07.30 Uhr. Und weiter plaudert Roy aus
dem Nähkästchen: "Ich fühlte mich 1975 in Swakopmund gleich heimisch, nahm schon am dritten Tag die Rute in die Hand." Das betonte er ausdrücklich: "Es stimmt aufs Wort, kaum hatte ich die
Angel ausgeworfen, da zappelte auch schon der größte und schwerste Lachs an meiner Schnur: 1,50 Meter lang, 23 Kilogramm schwer." Und er fuhr fort: "Erst glaubte ich, es
sei ein Haifisch, aber als ich ihn nach zwanzig Minuten harter Arbeit an Land bekam, da sah ich, dass es sich um
einen Lachs handelte." Das Anglerglück blieb Roy treu. Erst in diesem Jahr, am Himmelfahrtstag, kam er trotz der
niedrigen Temperaturen am Wasser so richtig ins Schwitzen. Acht Lachse in vier Stunden. "Das passiert nicht jeden
Tag" geriet er ins Schwärmen. Und dann erzählt er von einem Erlebnis aus dem Jahr 1995. Der Ort: zweihundert
Meter vor der Grenze zur Skeleton Coast. Dieser Lachs wog nach seinen Schätzungen 50 bis 60 Kilogramm und habe
eine Länge von rund 1,70 Meter gehabt. Sein Pech: die Schnur riss und vor lauter Enttäuschung machte er sich mit
seinem Freund Bernd umgehend auf den Heimweg. Sie trösteten sich damit, dass sie so viel kleine Lachse gefangen hatten, das es zu einer guten Mahlzeit reichte.
Angeln, das ist Roys liebstes Hobby geblieben, es gibt kaum einen Platz an der Westküste, wo er nicht schon seine
Köder ins Meer geworfen hat. Seine Philosophie lautet: "Wer Freude und Erfolg am Angeln haben will, der muss wie
jeder andere Sportler Lehrgeld zahlen und Erfahrungen sammeln". Man könne nicht nur so die Rute in die Hand
nehmen, die Köder ins Wasser werfen und dann glauben, nach zehn Minuten beißt der erste Fisch an. Er räumt allerdings ein, das die Ironie des Schicksals es will, dass es auch Anfängerglück gebe.
Während wir ungeduldig auf den ersten Biss warten, wir halten fest, ein Blick auf die Uhr, es sind inzwischen zwei
Stunden vergangen, gibt er weiter Tipps: "Eine gute Angelrute mit einer guten Rolle ist ebenso wichtig wie die
richtige Schnur, dabei muss man auf die Stärke achten, sich mit allen Angelhaken versehen, von der Größe 2/0 bis
10/0". Jeder Angler sollte sich mit genügend Blei ausrüsten, denn die Montage hänge von der Beschaffenheit der
Felsen, des Sandbodens und der Strömung des Meeres ab. Der Experte weist auch darauf hin, dass die Schnur ruhig
im Wasser liegen muss. Das sei deshalb so wichtig, damit der Fisch den Köder finden kann. Der Uhrzeiger war weiter
gerückt, es ist kurz nach zwölf. Das Wasser wird unruhiger. Vergeblich warte ich weiter auf einen Biss und bekomme kalte Füße. Das stört Roy nicht, er berichtet weiter aus seinem Erfahrungsschatz.
"Zur Ausrüstung gehört neben einem Bauchgurt auch eine Halterung
für den Boden. Aber hier gehen die Meinungen auseinander." Ich hatte mich vor ein paar Stunden für eine Halterung am Boden entschieden. Er zog es vor, die Rute in der Hand zu halten, um sofort
bei einem Biss reagieren zu können. "Ganz wichtig ist auch, dass man weiß, wie man den Haken und das Blei an der Schnur befestigen muss." Die Technik des Knotens sei dabei von großer Bedeutung, vor
allem, wenn man sich dafür entschieden habe, welche Fischarten man fangen will. Das alles hatten wir richtig gemacht, aber die Fische beißen immer noch nicht. Es ist inzwischen 13.30 Uhr. Und
dann kommt der Hobbyangler auf Köder zu sprechen. Für Lachse empfiehlt er Weißmuscheln, Langusten, Sardinen und Tintenfische. Für Weißfische schlägt er auch Langusten, Weißmuscheln,
Tintenfische (weichgeklopft), Schwarzmuscheln und Garnelen vor. Und noch einen Hinweis gibt er: "Wer gern große Lachse angeln möchte, der sollte seine Angel in der Zeit zwischen
Januar und März auswerfen, es kommt auch vor, dass andere Fische mit einer Warmwasserströmung aus Angola hier
im Benguelastrom aufkreuzen. Darunter befinde sich der Leerfisch, Elf- oder auch Shadfisch genannt". Diese Fische seien besonders schmackhaft und zählten zu den Spezialitäten in den Fischrestaurants.
Zurück am Strand, die Sonne geht langsam unter. Ich spüre einen Ruck, die Leine strafft sich: Endlich ein Biss?
Fehlanzeige. Neuer Köder, und es wird weiter geangelt. Langsam werde ich ungeduldig und denke an den leckeren
Fisch, während Roy Lewey mir von seinem größten Erfolgserlebnis 1999 in Kapstadt bei der Weltmeisterschaft
(Gamefish) mit dem Gewinn der Silbermedaille mit der Mannschaft berichtet. Die Geschichte hört sich spannend an,
aber langsam kommt bei mir Frust auf, während er weiter erzählt: "Mit einer Schnurstärke von 15 Kilogramm holten
wir einen Tunfisch, der 46,1 Kilogramm auf die Waage brachte, aus dem Wasser". Und wir? Unsere Ausbeute bei
unserem Fischtripp an Land bestand aus zwei kleinen Haien, die wir allerdings wieder ins Wasser zurückgaben.
Dennoch: Es war kein verlorener Tag. Die Rückfahrt nach Swakopmund trat ich mit einem ganzen Rucksack voller
Erfahrungen an und hatte viel gelernt von einem Mann, der mir unter anderem beibrachte, die Rute richtig zu halten
und die Köder auszuwerfen. "Nur nicht den Kopf hängen lassen", versuchte er zu trösten, "Anfänger haben eben nicht immer das große Anglerglück".
Quelle: “Allgemeine Zeitung” Namibia
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