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Tigerfische / Sambesi
Brandungsangeln
der Brandungsprofi

   

Brandungsangeln an Namibias Küste

Plötzlich biegt sich die Spitze der Angelrute nach unten. Mit aller Kraft stemmt sich der Angler gegen den kräftigen Zug des Fisches, Meter um Meter rollt die Schnur von der Angelrolle trotz eingelegter Bremse. Endlich scheint der Hai am anderen Ende der Schnur, irgendwo da draußen in den braungrünen Fluten, zu ermüden. Der Angler zieht kraftvoll an der Rute und kurbelt jeden gewonnenen Meter Angelschnur wieder auf die Rolle. Ab und zu will keiner, weder der Hai noch der Angler, klein beigeben. Mit aller Kraft hält der Angler die stark gebogene Rute, während der Fisch parallel zum Strand hoch und runter schwimmt. Die anderen Angler müssen ihre Leinen heben oder aus dem Wasser nehmen.

Langsam holt der inzwischen auch an Kraft verlierende Angler seine Beute näher an den Strand bis in die erste Welle. Ab und zu ist eine dreieckige Rückenflosse zu sehen. Mit einem Mal scheint der Hai neue Kräfte gesammelt zu haben und zieht zurück hinter die zweite Welle in der Brandung. Etliche Meter mühsam eingeholte Angelschnur spulen sich wieder von der Rolle ab. Der Kampf um jeden Meter geht von vorn los - halten, ziehen, aufrollen. Nach einer halben Stunde ist der Hai wieder in der ersten Welle. Zuweilen peitscht der lange und spitze Schwanz des "Bronzys" durch die Wasseroberfläche. Obwohl der Angler versucht, das an Land strömende Wasser jeder Welle auszunutzen, um seinen Fang zu landen, schafft es der Hai immer wieder zurück in die Brandung, unterstützt vom zurückfließenden Wasser. Nach knapp einer Stunde ist der kupferfarbende Hai vor der ersten Welle und Neill steht mit einer Art Gaff bereit. Noch kommt er nicht nah genug an den Raubfisch heran und muss dem Hai am Strand entlang folgen. Endlich - direkt vor ihm ragt die Rückenflosse aus dem Wasser. Blitzschnell stösst der erfahrene Angler den Haken durch die dreieckige Flosse und hält den Hai im zurückströmenden Wasser. Dann packt er die Schwanzflosse des zappelnden Fisches und zieht ihn den Strand hinauf. Dem Angler aus England ist die Erschöpfung anzusehen, aber ein stolzes Lachen breitet sich auf dem Gesicht aus. Neil entfernt den Haken aus dem großen Maul des Kupferhais und holt Maßband und Plastikmarke. Schnell wird der Kupferhai vermessen, markiert und wieder das Wasser zurückgesetzt. Sekunden später verschwindet der Hai wieder unter der Wasseroberfläche.

Haie, Rochen, Welse, Brassen und Adlerfische sind vom Strand aus in den offenen Angelgebieten an Namibias Küste zu fangen. Den interessierten Touristen nehmen zahlreiche Safariunternehmen an der Küste auf Angeltouren mit, wo der Brandungsangler sein Glück versuchen kann. Einige der Anbieter markieren die Fänge der Kundschaft, bevor sie die Fische wieder im Atlantischen Ozean freilassen. Diese Unternehmen gehen besonders behutsam und verantwortungsvoll mit den Fischen um und tragen gleichzeitig zu den Forschungsarbeiten des
Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen bei. Möchte der Gast jedoch einen oder mehrere Fische für den Eigengebrauch mitnehmen, steht diesem nichts im Wege.

Einer dieser Männer ist Neill van Rooyen, der seine Leidenschaft und seinen Sport gern mit angelbegeisterten Besuchern teilt. Neil hat nicht nur an zahlreichen Brandungsangel-Wettbewerben national und international teilgenommen, sondern auch schon einige Male die Forscher des Fischerei-Instituts begleitet um Fische zu markieren.

Ein vierradangetriebenes Fahrzeug, Angelgerät und Köder werden gestellt, da sich das Angelgerät, welches an der namibischen Küste benutzt wird, meist von dem in Europa oder Amerika unterscheidet. Auf dem Programm stehen die sogenannten essbaren Arten: Katzen-Kreuzwels, Galjoen, Geißbrasse, Westküsten-Streifenbrasse und der Afrikanische Adlerfisch sowie verschiedene Haiarten. Sehr beliebt bei den Knorpelfischen ist Kupferhai, der an der hiesigen Küste sehr zahlreich vorkommt und dessen Größe und Gewicht beachtlich sind. Den Anglern geht es jedoch nicht nur um die Größe des Fisches, sondern vor allem um das Erlebnis. Viele Angler können ein Lied davon singen, wie sie nach oft stundenlangem Kampf den Fisch letztendlich doch verloren haben. Dass dies nicht nur Anglerlatein ist, kann auf jeder Angeltour beobachtet werden.

"Das Brandungsangeln hier in Namibia ist ein Traum", schwärmt ein Angler aus England, "denn hier gibt es nicht nur zahlreiche und große Fische und Haie, sondern auch menschenleere Strände." Imponierend findet der Angler aus Großbritannien auch die Tatsache, dass in Namibia mit Geländewagen an den Strand gefahren werden kann und dass es Gesetze gibt, um die Bestände zu schützen.

Ein anderer Angler hat gerade einen 78 Kilogramm schweren Kupferhai gelandet und wartet darauf, dass Neil van Rooyen neuen Köder am Haken befestigt und die Angel auswirft. Es ist sein zweiter Besuch in Namibia und er ist zu diesem Zeitpunkt schon zehn Tage mit Neil unterwegs. Die Begeisterung ist keinesfalls abgeklungen. "In Jersey gibt es keine großen Fische mehr, und wenn du einen oder zwei von knapp zwei Pfund Gewicht fängst, hast du einen großen Fang gehabt", erzählt er. Der Kampf mit dem Hai, das Kräftemessen und es zu schaffen, einen fast 80 Kilogramm schweren Fisch mit nur einer 20 oder 30 kg Angelschnur an Land zu bringen, ist ein tolles Gefühl. Auch das Angelgerät, die Rute, Rolle, die Köder, das Befestigen der Haken und Senker an einigen Metern verstärkter Angelschnur sowie das Einholen des Fisches sind ungewohnt und neu. Nach dem ersten Tag wollen die meisten Angler, erfahren oder unerfahren, auch selbst einmal die Angel auswerfen, erzählt Neill van Rooyen. Obwohl ihnen erklärt wird, dass dies nur mit sehr viel Übung und Erfahrung möglich ist, bestehen einige weiterhin darauf. Aber nach wenigen Versuchen geben sie es auf, meint Neill, und er muss weiterhin diese Arbeit verrichten. Beim Haiangeln sind die meisten nach dem ersten Fang meistens recht erschöpft und genießen die Pause, in der Neil die Angel für den nächsten Wurf vorbereitet. "Nach vier oder fünf Haien sind die meisten ziemlich fertig", lacht er, "aber am nächsten Tag müssen sie wieder ran, wenn sie eine Tour gebucht haben." Die sechs Engländer die Ende November für zwei Wochen mit Neill und Terance unterwegs waren, werden die Angeltour nicht vergessen. Insgesamt fingen sie 80 Kupferhaie, über 50 Marderhaie, vier Grauhaie und zahlreiche Afrikanische Adlerfische und Westküsten-Streifenbrassen. Alle Fische sind markiert und freigelassen worden. Das Erlebnis, der Erfolg und die Fotos zählen.

Früh morgens gegen 7.00 Uhr geht es meistens los. Dies hängt von den Gästen, aber auch von den Gezeiten sowie von der Strecke, die gefahren werden muss, ab. Neill van Rooyen ist bereit, seine Gäste in einem der drei Küstenorte Walvis Bay, Swakopmund oder Hentiesbaai abzuholen. Ein Blick auf das Meer sagt dem Experten schon bei der Abfahrt wie erfolgreich der Tag sein könnte und an welche bekannten Stellen sie fahren sollten, um den Kunden zufrieden zu stellen. Es kommt trotzdem vor, dass die Natur den erfahrenen Anglern einen Strich durch die Rechnung macht. Ende November 2001 zum Beispiel tauchten unerwartet große Schwärme winziger Garnelen - Kriel - in der Brandung auf. Riesige Ansammlungen junger Seehechte und anderer Raubfische wurden zusammen mit Seeschwalben und Kormoranen in Küstennähe gelockt. Größere Raubfische wie der Afrikanische Adlerfisch fraßen die Jungfische direkt hinter der Brandung, und als letztes Glied der Nahrungskette fanden sich die Haie ein. Kein Fisch kümmerte sich um den Köder der Angler, die nur erahnen konnten, wieviele Fische sich in greifbarer Nähe aufhielten.

Die meisten seiner Kunden haben noch nie zuvor geangelt, berichtete Neill, aber die meisten wollen danach unbedingt wieder einmal in Namibia Brandungsangeln. Selbst die erfahrenen Angler aus Europa befinden sich hier auf Neuland, denn die Methode und das Gerät, als auch die Fischarten unterscheiden sich von dem europäischen Angeln. Interessenten sollten darauf achten, ihre Touren mit Personen oder Unternehmen zu buchen, die nicht nur erfahren und gut ausgerüstet sind, sondern auch die Meeresressourcen achten, indem sie die Fische möglichst vorsichtig behandeln, markieren und wieder freilassen. Es gibt Anbieter, die jeden eßbaren Fisch mitnehmen, nicht sofort töten und Haie zum Teil schwer verletzt wieder ins Wasser werfen. Neil van Rooyen von Xtreme Angling Namibia, Terance Clark und Henry Laubscher von Henrys Fishing Safaris sind gute Adressen für Angeltouren in Namibia, die auch die Forschung der Abteilung für Brandungsfische des Fischerei-Instituts unterstützen.

Quelle: “Allgemeine Zeitung” Namibia    


Info:
Das Angeln ist an weiten Teilen der Küste - mit Ausnahme der "Skelettküste" ohne Angelschein erlaubt. Angelscheine für die Region Skelettküste kosten für einen Monat N$ 14,00, für ein Jahr N$ 168,00 (1 Euro sind ca. 7,5 Namibische Dollar). Mit dieser Erlaubnis (Permit) können Sie Langusten oder Brandungsfische fangen. Die Angelpermits wurden im Dezember 2001 eingeführt.

Die Bestimmungen dazu im Einzelnen: Pro Person mit gültigem Permit dürfen pro Tag nicht mehr als sieben Langusten gefangen werden, und/oder mehr als 30 Katzen-Kreuzwelse und/oder mehr als ein Hai und/oder mehr als zehn Fische der Arten Geißbrasse, Galjoen, Afrikanischer Adlerfisch und Westküsten-Streifenbrasse. Geißbrassen müssen länger als 25 Zentimeter sein, Galjoen länger als 30 cm und Afrikanische Adlerfische und Westküsten-Streifenbrassen jeweils 40 cm. Pro Angler dürfen nicht mehr als zwei Afrikanische Adlerfische länger als 70 cm und mehr als zwei Westküsten-Streifenbrassen länger als 65 cm mitgenommen werden. Freizeitangler dürfen ihre Fische und Langusten nicht verkaufen. Geangelt werden darf nur mit einer Angel. Die Verwendung von Meereswürmern (Borstenwürmer) als Köder ist nicht erlaubt.




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