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Aal aus dem Rhein ist giftig

Wöchentlich kann man es in der Presse verfolgen, “Ölteppich auf dem Rhein”, Unfall im Werk XY” - solche “Betriebsunfälle” sind so häufig, dass es den Zeitungen im Regelfall nur einen Dreizeiler wert ist.
Man hat sich dran gewöhnt. Auch wenn der Rhein nicht mehr die stinkende Kloake aus den 60-er und 70-er Jahren ist, von einem sauberen Fluss kann man leider nicht reden. Das Umweltministerium NRW hat im April 2003 folgendes Schreiben in Umlauf gebracht:

       
Barbe

Barbe im Rhein :-((

   

Verzehrsempfehlung für Rheinfische

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie wissen, werden zur fortlaufenden Überwachung der Qualität des Rheinwassers in regelmäßigen Abständen auch Fischproben untersucht.

Zuletzt hatten Rückstandsuntersuchungen aus Fischen im nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt Überschreitungen von gesetzlichen Höchst- bzw. Grenzwerten für Lebensmittel an bestimmten polychlorierten Biphenylen (PCB) in besonders fettreichen Aalen ergeben. Die Überschreitungen waren in den meisten Fällen unspektakulär, hatten jedoch zur Folge, dass die Verkehrsfähigkeit eines Großteils der Aale nicht mehr gegeben war und auch die Verzehrfähigkeit eingeschränkt war. Ich hatte deshalb zuletzt am 28.9.2001 meine frühere Empfehlung an die Angler am Rhein erneuert, möglichst nicht mehr als 200 Gramm Rheinaale pro Woche aus dem nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt zu verzehren.

Nach neueren Rückstandsuntersuchungen an Aalen und Rotaugen aus dem Rhein auf Dioxine (PCDD/F-Gehalte) ergibt sich leider eine verschlechterte Lage: Im Gegensatz zu den Rotaugen ergab sich bei fast allen Aalproben eine Überschreitung der von der EU festgelegten Höchstwerte für PCDD/F von 4 pg WHO-TEF/g FG (VO 2375/2001 vom 29.11.2001). Damit dürfen solche Aale nicht als Lebensmittel in den Handel gelangen. Ich bitte die Netz- und Reusenfischer - soweit nicht schon geschehen (siehe meine Schreiben vom 27.1. und 10.2.2003) - mit der gebotenen Eile hierauf aufmerksam zu machen.

Darüber hinaus hat die umweltmedizinische Bewertung ergeben, dass die rechnerischen Werte für einen wöchentlichen unbedenklichen Verzehr von Rheinaalen so gering sind, dass von einem Verzehr grundsätzlich abgeraten wird.

           
Rhein bei Köln

Ich ändere deshalb meine bisherige Empfehlung an die Anglerinnen und Angler am nordrhein-westfälischen Rheinabschnitt wie folgt:
Bis auf weiteres sollte auf den Verzehr von Aalen aus dem Niederrhein verzichtet werden. Diese Empfehlung erfolgt allein aus Gründen des vorsorgenden Verbraucher- und Gesundheitsschutzes. Sie ist deshalb nicht verbindlich, sollte aber zur Kenntnis genommen und nach Möglichkeit auch beachtet werden.

Andere Fische wie Rotaugen sind hiervon nicht betroffen.

Die Wasserwirtschaftsverwaltung wird der Ursache der Kontamination nachgehen, um sie so bald und so weit wie möglich zu verringern oder abzustellen. Die anderen Bundesländer am Rhein, das IKSR-Büro in Koblenz sowie die Fachdienststellen in den Niederlanden wurden auf kurzem Wege informiert und - soweit möglich - um Mithilfe gebeten. Sobald mir hierzu neue Erkenntnisse vorliegen, die für die Belange der Rheinfischerei von Bedeutung sind, werde ich Sie informieren.

Ich bitte dies dem betroffenen Personenkreis, insbesondere den Fischereivereinen und Verkaufsstellen für Angelkarten, in geeigneter Form mitzuteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

gez.: Neiss

Im Flussschlick, dem Flusssediment, suchen Aale nach Nahrung. Dieses Sediment ist belastet, da sich die Rückstände der jahrzehntelangen industriellen Entwicklung dort angereichert haben. Hinzu kommt, dass Aale diese Stoffe durch ihren hohen Fettanteil im Körper stärker speichern als andere Fische und somit langfristig anreichern.

Dem Rhein haftete der Ruf an, zu einer Kloake verkommen zu sein. In den 70er Jahren stank der Strom regelmäßig nach Phenol, die Fische in der Pfanne nicht minder. Der Fluss war stark mit Schadstoffen belastet - vorsichtig ausgedrückt. Trauriger Höhepunkt der Misshandlungen durch den Menschen war die Sandoz-Katastrophe im November 1986. Beim Schweizer Chemieriesen Sandoz brannte eine Lagerhalle für Agrochemikalien, dabei verglühten 30 Tonnen hochgiftiger Substanzen (E 605 und Quecksilberverbindungen) und wurden durch das Löschwasser in einer blutroten Fahne in den Fluss gespült - der ökologische Supergau war perfekt. Der Rhein zwischen Basel und Karlsruhe kippte um. Zig Tonnen vergifteter Fischkadaver mussten als Sondermüll entsorgt werden. Jegliches tierische Leben in diesem Rheinabschnitt war auf einen Schlag vernichtet.

In den letzten Jahren erholte sich der Fluss langsam. Die Schadstofffracht konnte verringert werden. Aktuelle Untersuchungen von Experten, die sich die Fischbevölkerung genauer ansahen, kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. 43 Fischarten leben aktuell im Rhein - das entspricht dem Artenspektrum um 1900. Lachs, Meerforellen, aber auch Flunder und Maifisch sind wieder da, wenn auch in bescheidenen Stückzahlen. Auch Fluß- und Meerneunaugen lassen sich wieder blicken. „In den letzten 15 Jahren ist der Rhein von der Güteklasse III (stark verschmutzt) in die Güteklasse II (mäßig belastet) aufgestiegen“, teilt die Landesanstalt für Ökologie in NRW mit. Zwar fließen „rund 75 Prozent aller nordrhein-westfälischen Abwässer“ in den Rhein, aber „inzwischen werden 97 Prozent der kommunalen Abwässer biologisch gereinigt“. Diesen positiven Trend spürt auch die Rheinfischereigenossenschaft, die am Fluss für die Ausgabe der Angelkarten verantwortlich ist. In den letzten Jahren nahm die Nachfrage unter den Angler kontinuierlich zu. Sie haben wieder Vertrauen zu ihrem Rhein gefasst. Heute kann der Rheinfisch - bis auf den Aal - wieder bedenkenlos genossen werden. Was trotdem bleibt, ist der schale Beigeschmack für alle, die schon mal woanders als nur am Rhein geangelt haben und wissen, was sauberes Wasser ist.

Autor: <og>, 01.05.2003




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