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Lärm unter Wasser schadet auch Fischen
Der vom Menschen verursachte Lärm in den Ozeanen schädigt nicht nur die empfindlichen Ohren von Walen und Delfinen, er macht auch Fische schwerhörig. Das fanden Meeresbiologen der
Universität Maryland heraus. Die Forscher feuerten dazu unter Wasser Schall-Kanonen ab, wie sie bei der Suche nach Erdöl eingesetzt werden. Anschließend untersuchten die Biologen die Ohren der Tiere: Der Krach hatte in den Innenohren der Fische regelrechte Verwüstungen hinterlassen. Insbesondere die für das Hören wichtigen Haarzellen waren geschädigt. Fische brauchen ihre Gehör, um Räuber rechtzeitig zu bemerken oder den richtigen Paarungspartner zu finden. 

Sonarsystem gefährdet Wale
Die amerikanische Marine führt Experimente durch, durch die Tierschützer Wale und Delfine bedroht sehen. Dass sie Sorgen nicht unbegründet sind, sah man am 15. März 2002, als ein halbes Dutzend Wale vor den Bahamas strandete. Die Untersuchung der Kadaver ergab als Schuldigen die US-Marine. 
Im Meeresforschungs-Institut "Woods Hole" bei Boston fand man bei der Untersuchung mittels Computertomograph, dass das Gehörsystem der gestrandete Wale extrem blutig war: Ein extrem lautes Geräusch hatte Adern platzen lassen und die Innenohren zerstört. Und kurz vorher hatte die US-Navy ihr System "LFAS" vor den Bahamas erprobt. Dieses System soll dereinst die Welt umspannen, sprich: jeden Ozean beschallen, um immer leisere U-Boote aufzuspüren. 
Die US-Marine hält das System für harmlos, denn schließlich habe sie es auf Tierschützer-Protest hin getestet. Buckelwale mieden zunächst das laute System, anschließend aber gewöhnten sie sich daran und kümmerten sich nicht weiter drum.
Auch die Bundeswehr testet ein vergleichbares, aber leiseres, System auf dem Forschungsschiff "Planet". Es ist nur in Wal-freien Regionen unterwegs; auch wird die Lautstärke nur langsam gesteigert, damit die Wale gleichsam "gewarnt" werden. Ob sie diese Warnung verstehen, ist allerdings eine andere Frage.
 
Fische hören schon im Ei
Noch bevor sie geschlüpft sind, können Korallenfische die Geräusche des Riffs wahrnehmen. Das haben Forscher des australischen Instituts für Marine Forschung herausgefunden. Sind die Fische geschlüpft, dann verständigen sie sich im Riff mit Grunzen, Quietschen und Pfeifen - allerdings in Frequenzbereichen, die der Mensch nicht hören kann. So hat jedes Korallenriff sein eigenes Tonspektrum. Dass die Korallenfische schon so früh in ihrer Entwicklung hören können, scheint ihre Überlebenschancen zu verbessern: Denn werden sie von der Strömung abgetrieben, finden sie ihr Heimatriff ganz einfach wieder: Sie müssen sich nur an seinem typischen Geräuschen orientieren. 

Laute Fische stören die Marine
Fische sind ganz und gar nicht stumm. Im Gegenteil: Sie können sogar mit ihrem Lärm die empfindlichen Sender der norwegischen Marine stören und ihnen das Vorhandensein von U-Booten vortäuschen. Was die Fische dabei so von sich geben, hat der norwegische Forschungsrat jetzt auf einer CD festgehalten. Während die Laute des Dorsches eher nach Plaudern klingen, scheint der Hering zu pfeifen und der Lumb gar zu brüllen. Die Laute werden mittels unterschiedlicher Bauchmuskeln in der Schwimmblase der Fische erzeugt. Jede Fischart verfügt über ein eigenes Repertoire, das bei der Partnerwerbung, beim Laichen oder auch bei der Verteidigung des Reviers eingesetzt wird. Nur die schlanke Makrele ist stumm. Denn sie hat keine Schwimmblase.

Ohren im Ozean - Geräusche der Unterwasser-Welt
Alte Militärtechnik kann Nutzen bringen: Der Ozeanograph Christopher Fox nutzt ein System von Unterwasser-Mikrofonen, das die US-Navy während des Kalten Kriegs aufgebaut hat - und gewinnt so
interessante Erkenntnisse über das Leben in den Ozeanen.
Die Aufnahme von Blauwal-Gesängen hat so gezeigt, dass es an der US-Westküste nicht nur eine einzige Population gibt, sondern dass drei verschiedene Dialekte vorkommen - die damit auf verschiedene Populationen hinweisen. Über den Gesang ließen sich auch die Wanderwege der Meeressäuger gut verfolgen. Ebenfalls für Lärm sorgen Vulkanausbrüche und Erdbeben, die ein ständiges Rumoren ergeben. Die lautesten Geräusche sind allerdings die, die von Seismischen Schallkanonen stammen. Mit diesen "Airguns" suchen Geophysiker mit lautem Knall nach Öl. 
Um die Geräusche auszuwerten, muss der Computer ran: Nur so können aus dem Hintergrund die interessanten Daten gefiltert werden. Neben den alten Navy-Hydrophonen, die vor allem in Nordatlantik und Nordpazifik stehen, kommen auch Eigen-Entwicklungen von Christopher Fox zum Einsatz. Ein Jahr lang bleiben die Geräte im Wasser; in dieser Zeit wird
jedes Geräusch auf handelsüblichen PC-Festplatten gespeichert. Nach einem Jahr werden die Platten ausgelesen und die Unterwasser-Mikrophone erneut versenkt.

Warum Wale stranden
Forscher haben die Ursache gefunden, warum sich immer öfter Wale in Gewässer verirren, in denen sie nichts verloren haben. Der Grund ist der immer größer werdende Lärm unter Wasser durch Bohrinseln, Luftkanonen, Sonare und Rotoren. Die Wale können in trüben Gewässern kaum etwas sehen und sind deshalb auf andere Sinnesorgane wie das Hören angewiesen. Durch den Lärm wird die akustische Wahrnehmung jedoch erheblich gestört. 

Wale ziehen im Rhythmus der Jahreszeiten durch die Weltmeere. Über Tausende von Kilometern finden sie ihren Weg. Normalerweise verläuft ihr Wanderweg an den Shetland-Inseln vorbei in den Atlantik. Jedoch kommt es immer häufiger zu spektakulären Strandungen auch an der Nordseeküste. Umweltschützer gehen davon aus, dass das große Ölfördergebiet bei den Shetland-Inseln dafür verantwortlich ist, da Hunderte von Bohrinseln einen infernalischen Krach unter Wasser erzeugen. Diese Explosionen haben verheerende Folgen, wie man an den gestrandeten Walen untersuchen kann. Sie weisen starke Blutungen im Kopfbereich auf, dort wo ein Weichgewebe an ein hartes Gewebe oder an einen Luftraum angrenzt. Dort sind die Gewebezerstörungen dann festzustellen. Die Wale werden also völlig orientierungslos.

Luftkanonen sind jedoch nicht die einzigen Lärmquellen. Auch Sonargeräte, die zur Standradausrüstung eines Schiffes gehören erzeugen Lärm. Damit werden unter anderem Fischschwärme aufgespürt und gejagt. Am gefährlichsten ist jedoch der militärische Einsatz von Sonargeräten. Um U-Boote zu jagen, werden hier tiefere Frequenzen eingesetzt. Unter Wasser ist das auch in zehn Kilometer Entfernung noch so laut wie ein startender Düsenjet. "Die Schall- und Sonargeräte, die eingesetzt werden, schädigen das gesamte System der Wale. Das heißt, die Tiere können nicht mehr anständig kommunizieren, sie können nicht mehr anständig ihr Futter suchen, sie finden keine Partner mehr, aber vor allem können sie sich unter Wasser nicht mehr in der Art und Weise orientieren, wie sie es normalerweise tun würden", sagt Thilo Maack von Greenpeace. 

Aber Rettung ist noch nicht in Sicht, eher wird der Lebensraum der Wale noch lauter werden. Im offenen Meer sollen riesige Windparks entstehen. Der Wind bläst dort stärker als an Land und es gibt reichlich Platz für immer größere Rotoren. Welche Auswirkungen das auf die Wale haben wird, weiß niemand, aber die Windindustrie hat den Handlungsbedarf erkannt und führt Umweltverträglichkeitsprüfungen und umfangreiche Begleitforschungen durch.


11.02.2003 - nach Informationen von 3sat online




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