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Das Verschwinden der Isar-Fische
Kormoran und Gänsesäger erbeuten ausgewilderte Tiere

Da sind diese drei wackeren Männer nun bei Minusgraden in die Isar gestiegen, bekleidet mit Gummihosen und ausgerüstet mit einem Eletro- Kescher. Fuhrwerken stundenlang in der eiskalten Strömung herum, um herauszufinden, wie viele der ursprünglich hier lebenden Fischarten die ersten Monate nach ihrer Auswilderung überstanden

 

haben. Das Aussetzen der Fische zwischen Frühjahr und Oktober dieses Jahres war Teil des Renaturierungsprogramms, mit dem der Fluss wieder schrittweise in seinen Urzustand zurück versetzt werden soll. Doch nun kommen die Männer mit dem schweren Fanggerät aus dem Wasser – und bringen bloß ein paar fingerlange Koppen mit, winzige Fischchen. „Ein niederschmetterndes Ergebnis“, sagt Ulrich Wunner, Fachberater für Fischerei beim Bezirk Oberbayern. Die Angler vom Verein „Isarfischer“ stehen im Kreis um ihn herum am Ufer und nicken bedauernd.

Mehr als 40.000 Fische, darunter seltene Bachforellen, Nasen, Äschen und Haseln, aber auch fast ausgestorbene Arten wie den Streber haben die Fischer, finanziert von Stadt und Freistaat, seit dem Frühjahr in den renaturierten Flusslauf zwischen Tölzer Wehr und Marienklausenbrücke gesetzt. Doch nur 14 dieser Fische fanden sie vor zwei Wochen beim ersten Test mit dem Elektro-Kescher, verteilt auf 700 Meter Isarlauf, wieder. Das Fanggerät erzeugt ein elektrisches Feld im Wasser, und die Fische taumeln auf die Anode zu, wo sie für kurze Zeit ohnmächtig werden. Gestern jedoch passierte das nicht einem einzigen größeren Fisch.

„Vor zwei Wochen haben uns wenigstens Größe und Alter der gefangenen Exemplare verraten, was die Ursache für das Verschwinden der Fische ist“, sagt Wunner: Der Kormoran und der Gänsesäger nämlich müssen den Bestand gefressen haben. Einhellig mit den Fischereiverbänden fordert daher der Leiter des staatlichen Wasserwirtschaftsamts München, Karl Hafner, jetzt den Abschuss der räuberischen Vögel. „Es muss etwas in diese Richtung geschehen“, sagt Hafner. „Der Abschuss muss genehmigt werden“, sagt Alfons Blank, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern.

Die Konfrontation mit den Vogelschützern ist programmiert. „Die sollen halt einsehen, dass Artenschutz nicht an der Wasseroberfläche endet“, meint Blank. Immerhin sei ein gesunder Fischbestand dringender Bestandteil des Renaturierungsprogramms, das abgesehen vom tödlichen Werk des Kormorans „sehr erfolgreich“ verlaufe. So könnten die Fische in der verwildernden Isar, am Naturufer und unter Felsbrocken in der Strömung, bereits wieder laichen und aufwachsen. Fast ungestört. Wären sie nur nicht so schmackhaft...

   

Autor: <Philip Wolf>, 11.12.2002, Süddeutsche Zeitung




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