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Ted, der Turbokarpfen
Bio-Tech-Kreaturen sollen hungernde Menschen ernähren - eine trügerische Hoffnung

Von Werner Bartens (Die Zeit)

In dem Science-Fiction-Thriller Deep Blue Sea züchten skrupellose Wissenschaftler genmanipulierte Haie. In einem Unterwasserlabor verändern sie deren Erbanlagen, um Therapien gegen Parkinson und Alzheimer zu entwickeln. Aber irgendwie müssen die Wissenschaftler bei ihren Basteleien auch das Intelligenzgen der Tiere verändert haben. Denn die mutierten Haie wehren sich mit List und Tücke und verarbeiten die Forscher zu Fischfutter.

Es ist die alte Geschichte von der geschundenen Kreatur, die zurückschlägt und den Menschen für sein frevelhaftes Tun bestraft. Dabei ist alles nur gut gemeint und soll dem Wohle der Menschheit dienen.

Auf dieses Motiv beruft sich auch die kanadische Firma Seabright. Sie möchte - und das ist kein Plot aus einem Science-Fiction-Film - Lachse züchten, die achtmal schneller wachsen als ihre natürlichen Artgenossen. Der Patentschutz für das Verfahren in Europa ist vergangenes Jahr erteilt worden. In den USA gibt es schon länger Patente für High-Tech-Fische, aber auch dort kann man sie noch nicht kaufen. Den Unternehmen AquaBounty und A/F-Protein fehlt das Plazet der Gesundheitsbehörde. Angeblich sind bei A/F-Protein bereits 15 Millionen Eier der genmanipulierten Fische vorbestellt. Doch bisher erteilten die Wächter der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA solch zweifelhaften Züchtungen für den menschlichen Genuss noch keine Zulassung. "Wir tun alles, um zu verhindern, dass solche Tiere Einzug in die Fischtheken halten", sagt die Greenpeace-Aktivistin Imke Ide. Zur Warnung habe man im vergangenen Jahr die Bassins der kanadischen Firma AquaBounty mit Bannern verhüllt.

Für Molekularbiologen ist die Technik der unnatürlichen Fischvergrößerung allerdings schon Routine: Den Fischen wird ein fremdes Gen übertragen, das zu einer ständigen Ausschüttung von Wachstumshormonen führt. Während normale Lachse nur im Sommer wachsen, bekommen die genetisch dauerstimulierten Tiere während des ganzen Jahres einen hormonellen Wachstumsschub. Deshalb reifen sie um ein Vielfaches schneller als ihre wild lebenden Artgenossen, die erst nach drei Jahren ausgewachsen sind. Doch die Turbofische werden nicht nur früher länger und dicker, bei ihnen tritt auch die Geschlechtsreife rascher ein. Schon fantasieren Forscher von Karpfen, die gentechnisch zur Größe eines Schweins aufgepumpt werden, und von Forellen, die es von der Größe her mit Haien aufnehmen können.

Alles Anglerlatein? Mitnichten. Bei 35 verschiedenen Fischarten wurden bereits gentechnische Veränderungen vorgenommen. Doch nicht nur für Sportfischer würde es eine Umstellung bedeuten, wenn sie demnächst immer dickere Brocken an Land zögen. Auch Züchter könnten anders planen. Sie scheinen bereit zu sein, für die Genfische mehr Geld auf den Tisch zu legen. Denn die Branche hat Sorgen mit dem Nachschub. Die Meere sind zu 60 Prozent überfischt, Lachsfang ist in manchen Regionen verboten, und kürzlich wurde der Atlantiklachs auf die Liste bedrohter Tierarten gesetzt.

Viele Gründe für AquaBounty-Chef Elliot Entis, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Der studierte Politologe will Lachseier mit gentechnisch aufgemotztem Wachstumsturbo für 50 Cent pro Stück zu verkaufen - das Fünffache des üblichen Tarifs. Da die Genlachse jedoch in kurzer Zeit ihre wild lebenden Artgenossen an Größe überträfen, lohne sich der Aufpreis für die Züchter, rechnet Entis vor. Schließlich würden sich die Produktionskosten pro Pfund Lebendgewicht durch Einführung des Genlachses von 1,55 US-Dollar auf 1,20 US-Dollar verringern.

Doch das öffentliche Klima ist für die Frankenstein-Fische nicht gerade günstig. Besonders in Europa ist die Skepsis gegenüber genveränderten Nahrungsmitteln weit verbreitet. Neil Maclean leitet ein Forschungsprojekt mit transgenen Tieren an der Universität Southampton. Der Brite glaubt zwar, dass genveränderte Fische in drei bis vier Jahren auf den Markt kommen könnten. "Doch es dauert sicher noch zehn Jahre, bis der Welthunger so massiv sein wird, dass die Vorbehalte gegenüber Genfischen überwunden sind."

Möglicherweise geht es aber auch schneller. In Großbritannien wird bereits ein Programm zur Entwicklung von genmanipulierten Fischen mit zwei Millionen Euro gefördert. Als vergangenes Jahr angesichts von BSE und Maul-und-Klauenseuche immer mehr Engländer Alternativen zum Fleisch forderten, erhöhte die Regierung die Unterstützung. Und die Europäische Gemeinschaft hat seit Mitte der achtziger Jahre 7,5 Millionen Euro Fördergelder in elf Forschungsprojekte zur Fischzucht gesteckt.

Dabei dient ein gefördertes Projekt von Macleans Arbeitsgruppe gar nicht dem Größenwachstum der Fische: In Southampton wollen Forscher Lachse - die sich sonst aus der Fauna ernähren - zu Vegetariern machen. Denn die riesigen Fischfarmen, deren Produktion seit 1984 jährlich um zehn Prozent gestiegen ist, haben selbst massiv zur Überfischung beigetragen. Werden doch inzwischen im Meer häufig Netze ausgelegt, nur um mit dem Inhalt später Zuchtfische zu füttern. Zur Produktion von einer Tonne Lachs in Aquakulturen sind fünf Tonnen Fisch als Futter nötig. Die Hoffnung, mithilfe von Bassins die Meere zu schonen, ist nicht aufgegangen. 1990 wurden etwa 13 Millionen Tonnen Fisch in Aquakulturen produziert, 1999 waren es bereits 33 Millionen Tonnen. Die Menge an frei gefangenem Fisch ist nicht gesunken. Steigern lässt sie sich wegen der Überfischung allerdings auch nicht, sie beträgt seit Jahren gut 90 Millionen Tonnen weltweit.

Forscher und Industrielle argumentieren, dass zur Ernährung der Weltbevölkerung die siebenfache Menge Fisch benötigt wird. Wenn die Fische um das Siebenfache größer sind, so die simple Schlussfolgerung, müsste das ausreichen. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Die hungernden Menschen auf dieser Welt warten nicht unbedingt auf Genfisch. Sie leben meist in den Dürreregionen der Erde und benötigen Getreide und Pflanzenkulturen, die in ihrer Umgebung wachsen können.

Außerdem könnten sich die High-Tech-Fische als äußerst nachteilig für die Artenvielfalt und damit letztlich auch für den Ertrag erweisen. Da das schnellere Wachstum mit einer früheren Geschlechtsreife einhergeht, verdrängen die Mutanten nach und nach ihre nicht manipulierten Artgenossen und auch andere Fische. Die unterliegen bei der Damenwahl. Zur Paarung wählen die weiblichen Fische nämlich den, der am größten und stärksten ist und die meisten Wellen macht. Auch im Kampf um die begrenzten Nahrungsquellen können die "Naturfische" nicht mithalten. Galt bisher der Hecht im Karpfenteich als das gefährlichste Wesen in deutschen Weihern, könnte nun bald Ted, der Turbokarpfen, als Bedrohung dazukommen.

Noch ist viel zu wenig bekannt, wie das Ökosystem Wasser auf einseitige Nutzung reagiert. Der Schmutz, den rund 600 Lachsfarmen in Norwegen verursachen, soll jedenfalls mit dem Abwasseraufkommen der vier Millionen menschlichen Bewohner des Landes vergleichbar sein. Und amerikanische Forscher haben berechnet, dass gerade mal 60 genmanipulierte Exemplare einer japanischen Karpfenart ausreichen, um im Verlauf von nur 40 Generationen 60 000 natürliche Artgenossen zu vernichten. Die Fischfarmer haben daraufhin angeboten, Genfische zu sterilisieren. Doch hundertprozentige Sicherheit ist nicht möglich: So entkamen im vergangenen Jahr 300 000 Zuchtfische aus einer Farm in Maine und mehr als 100 000 im US-Staat Washington - alle noch fortpflanzungsfähig. Bei Stürmen, Hochwasser und Eisgang kommt es immer wieder zu Freisetzungen in großem Umfang. Und wie sich Kreuzungen aus genveränderten und wild lebenden Arten verhalten, weiß niemand.

Möglicherweise machen die Fische selbst aber gar nicht bei ihrer Vergrößerung mit. Nordamerikanische Forscher fanden vergangenes Jahr heraus, dass sich die Größe von Zuchtfischen durch Wachstumsgene kaum steigern ließ. Während wild lebende Fische einen enormen Schub machten, ist das Wachstumspotenzial der Tiere aus Aquakulturen anscheinend ausgereizt. Das wäre ein Schlag für die Züchter und ihre ökonomischen Pläne. Es müssen keine genmanipulierten Killerhaie sein, die den Menschen einen Strich durch die Rechnung machen.

(c) DIE ZEIT   20/2002




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