|
Gesetz über die Fischerei (vom 5. Dezember 1976)
I. Allgemeine Bestimmungen
Fischereiregal § 1. Das Recht zum Fang von Fischen, Krebsen und andern Wassertieren in den öffentlichen Gewässern des Kantons und in den mit diesen in Zusammenhang stehenden Kanälen und Weihern steht dem
Staat zu. Vorbehalten bleiben die Sonderrechte von Gemeinden, Korporationen oder Privaten, soweit solche nachgewiesen werden. Der Fang darf auch da, wo Sonderrechte bestehen, nur im Rahmen der Vorschriften des
Bundes, dieses Gesetzes und der gestützt darauf erlassenen Verordnungen und Verfügungen ausgeübt werden. Besondere internationale und interkantonale Vereinbarungen bleiben vorbehalten.
Ablösung von Sonderrechten § 2. Zur Erhaltung der Fischerei und im Interesse einer gleichmäßigen Bewirtschaftung der Gewässer können bestehende Sonderrechte abgelöst werden. Die Entschädigung für die Ablösung
beträgt wenigstens den zwanzigfachen Betrag der durchschnittlichen jährlichen Ertragsfähigkeit. Im übrigen gilt das Gesetz betreffend die Abtretung von Privatrechten FN3.
Freiangelrecht § 3. Im
Zürichsee, Greifensee, Pfäffikersee und Türlersee ist jedermann zur Freiangelfischerei vom Ufer aus berechtigt. Im öffentlichen Interesse aufgestellte Vorschriften, insbesondere solche des Natur- und Heimatschutzes,
bleiben vorbehalten. Die zuständige Direktion FN8 erlässt nähere Vorschriften über die Ausübung des Rechtes zur Freiangelfischerei. Zu Beginn jeder Pachtperiode kann der Regierungsrat das Recht zur
Freiangelfischerei auch auf andere Gewässer des Kantons ausdehnen.
Fischereiberechtigung 1. Arten und Dauer § 4. Die zuständige Direktion FN8 verleiht im übrigen die Berechtigung zum Fischfang a)
durch Verpachtung von Kleinseen, Weihern, bestimmten Strecken von Flüssen und Bächen oder ganzen Bachläufen sowie Kanälen als für sich geschlossene Reviere; b) durch Verpachtung der Garn-, Netz- und
Reusenfischerei im Zürichsee, Greifensee und Pfäffikersee als für sich geschlossene Berufsfischerpachten; c) durch Ausgabe von Patenten getrennt für den Zürichsee, Greifensee, Pfäffikersee und in den Fällen von §
20 jeweils für die von der zuständigen Direktion FN8 bestimmten und in den Patenten angeführten Arten der Fangausübung; d) durch Abgabe von Fischereikarten auf Antrag der Pächter zur Fangausübung in bestimmten
Revieren. Die Verpachtung erfolgt für eine Periode von höchstens acht Jahren. Patente und Fischereikarten werden für die Dauer eines Jahres abgegeben. Kürzere Bewilligungen bleiben vorbehalten.
2. Ausweispflicht § 5. Der Inhaber einer Fischereiberechtigung ist verpflichtet, bei der Ausübung des Fanges den Ausweis auf sich zu tragen und ihn auf Verlangen der Fischereiaufseher, der Polizeiorgane, der
Fischereipächter oder der Grundbesitzer vorzuweisen. Die Ausweispflicht gilt auch für Personen, welche den Fang aufgrund eines Sonderrechts ausüben.
3. Mindestalter
§ 6. Der Erwerb von Patenten und Karten ist vom zurückgelegten 18. Altersjahr an möglich. Der Regierungsrat umschreibt die Voraussetzungen, unter welchen auch jüngere Personen Patente und Karten erlangen können.
4. Ausschlussgründe § 7. Von der Verleihung einer Fischereiberechtigung sind ausgeschlossen: a) Personen, die durch rechtskräftiges Urteil von der Fischereiberechtigung ausgeschlossen sind; b)
Personen, die einmal wegen schwerer oder mehrmals wegen leichter Verletzung der Fischerei- und Jagdvorschriften bestraft worden sind. Von der Pacht sind zudem ausgeschlossen:
c) Personen, die mit der Bezahlung von Steuern im Verzug sind; d) Unmündige, Bevormundete und Verbeiständete; e) Personen, die für sich oder ihre Angehörigen öffentliche Unterstützung beziehen oder eine solche
nicht zurückerstattet haben; f) Personen, auf welche infolge Konkurses oder fruchtloser Pfändung Verlustscheine bestehen, sofern sie nicht nachweisen, dass diese durch Zahlung, Nachlass oder Verzicht der
Gläubiger hinfällig geworden sind, sowie Personen, gegen die der Konkurs mangels Aktiven eingestellt worden ist. In den Fällen gemäß lit. b verfügt die zuständige Direktion FN8 im Einzelfall eine ein- bis
zehnjährige administrative Sperrfrist, welche vom Datum des Strafurteils an läuft.
Krebse und andere Wassertiere § 8. Die Pächter dürfen in ihrem Revier auch den Krebsfang ausüben. Alle andern
Fischereiberechtigten bedürfen dazu einer Bewilligung der zuständigen Direktion FN8. Der Fang anderer Wassertiere bedarf einer Bewilligung der zuständigen Direktion FN8. Diese kann jedoch den Fang von Plankton
an bestimmten Stellen allgemein zulassen. Für Forschungs- und Lehrzwecke ist die Entnahme solcher Wassertiere in geringem Umfang auch ohne Bewilligung gestattet, doch darf der Bestand am Fangort nicht gefährdet
werden.
Uferbegehungsrecht § 9. Die Fischereiberechtigten dürfen die Ufer begehen, soweit dies für die Ausübung der Fischerei notwendig ist; sie sind indessen den Besitzern der Ufer für daraus
entstehenden Schaden ersatzpflichtig. Die Fischereiberechtigten haben bei der Ausübung des Uferbegehungsrechts den Vorschriften des Naturschutzes Beachtung zu schenken. Die zuständige Direktion FN8 kann für die
einzelnen Naturschutzgebiete besondere Bestimmungen über die Fischereiausübung erlassen. Den Freiangelfischern steht dieses Uferbegehungsrecht nicht zu.
II. Pacht Begründung des Pachtverhältnisses §
10. Die zuständige Direktion FN8 verpachtet das Recht zum Fischfang. Sie bestimmt den Mindestpachtwert der Reviere und legt die höchstzulässigen Pachtzinse fest. Reviere mit normaler Ertragsfähigkeit werden
öffentlich versteigert, wobei der Zuschlag unabhängig von den höchsten Angeboten an bewährte bisherige Pächter oder an ortsansässige Bewerber beziehungsweise Bewerbergruppen erfolgen kann, sofern ihr
Steigerungsangebot angemessen erscheint. Bei Revieren mit gestörter Ertragsfähigkeit oder mit eingeschränkter Befischungsmöglichkeit wird das schriftliche Angebot desjenigen Bewerbers bevorzugt, der für Hege und
Pflege die beste Gewähr bietet. Berufsfischerpachten werden an die am besten ausgewiesenen Bewerber vergeben. Die Verpachtung ist öffentlich auszuschreiben. Die zuständige Direktion FN8 kann jedoch bestimmte
Bachabschnitte, Kanäle, Weiher und andere geschlossene Gewässer unter anderem für Zwecke der ökologischen Forschung freihändig verpachten oder für die Aufzucht von Fischen selbst beanspruchen. Die zuständige
Direktion FN8 verpachtet die Fischgewässer aufgrund des Zustandes im Zeitpunkt der Verpachtung ohne Übernahme einer Garantie für den Fischbestand.
Unterpacht, Stellvertretung und Karten § 11. Die
zuständige Direktion FN8 umschreibt die Voraussetzungen für die Unterpacht, für die Stellvertretung der Pächter sowie für die verschiedenen Arten von Karten.
Reviergrenzen § 12. Die zuständige Direktion
FN8 bildet die Reviere nach biologischen und ökologischen Gesichtspunkten getrennt nach Gewässern mit vorwiegendem Forellenbestand und solchen mit gemischtem Fischbestand.
Pächterzahl § 13. Die zuständige
Direktion FN8 legt vor Beginn jeder Pachtperiode die minimale und die maximale Pächterzahl der Reviere fest. Sie kann ausnahmsweise auch während der Pachtperiode bei Eintritt besonderer Verhältnisse die zulässige
Pächterzahl ändern.
Pachtgesellschaften § 14. Sofern nichts anderes vereinbart wird, entsteht unter den Pächtern eine einfache Gesellschaft nach Art. 530ff. OR FN5. Die Gesellschafter haben einen im Kanton
Zürich niedergelassenen Bevollmächtigten zu bezeichnen, der sie gegenüber Behörden und Privaten vertritt. Sie haften für den Pachtzins solidarisch.
Beteiligung an Revieren § 15. Niemand darf als Pächter
oder Inhaber einer Jahreskarte an mehr als zwei zürcherischen Fischereirevieren beteiligt sein. Die zuständige Direktion FN8 kann die Zahl der abzugebenden Karten festlegen.
Mithilfe bei der Fangausübung
§ 16. Jeder Pächter ist berechtigt, in seiner Anwesenheit eine Person zur Mithilfe bei der Fangausübung beizuziehen. Vorbehalten bleiben besondere Bestimmungen für die Berufsfischer.
Pachtzins und Jungfischeinsätze § 17. Der Pachtzins ist jährlich zum voraus zu entrichten. Die zuständige Direktion FN8 legt für jedes Revier die jährlich auf Kosten der Pächter von den Fischereiaufsehern
vorzunehmenden Jungfischeinsätze fest. In Revieren, für welche der Pachtzins und die Kosten der Jungfischeinsätze des letzten Pachtjahres nicht oder nicht vollständig bezahlt worden sind, dürfen die Pächter den
Fischfang nicht ausüben und bleibt die Ausgabe von Fischereikarten gesperrt. Jeder Pächter hat einen angemessenen Anteil von Pachtzins und Einsatzkosten selbst zu übernehmen. Der Anteil muss mindestens dem
Durchschnitt der Zahlungen von Unterpächtern und Karteninhabern entsprechen.
Aufhebung oder Abänderung der Pacht § 18. Das Pachtverhältnis erlischt mit dem Tod des Pächters oder mit dem Eintritt eines
Ausschliessungsgrundes gemäss § 7. Ist ein Revier an mehrere Personen verpachtet, entscheidet die zuständige Direktion FN8, ob sie das Pachtverhältnis mit den übrigen Pächtern fortsetzen will. Das gleiche Recht
steht ihr zu, wenn für die zwischen den Pächtern bestehende Gemeinschaft andere Auflösungsgründe eintreten. Die zuständige Direktion FN8 kann überdies den Pachtvertrag aufheben, wenn die Pächter ihren
Verpflichtungen trotz Mahnung und angemessener Fristansetzung nicht nachkommen. Ist eine voraussichtlich mehrere Jahre dauernde schwere Beeinträchtigung des Reviers eingetreten, kann die zuständige Direktion FN8
auf Verlangen der Pächter den Pachtzins ermässigen oder das Pachtverhältnis aufheben. Bei vorzeitiger Auflösung des Pachtverhältnisses werden bereits bezahlte Pachtzinse nur zurückerstattet, wenn besondere
Umstände es rechtfertigen.
III. Patente Gebühren und Einsatzkosten § 19. Der Regierungsrat umschreibt die verschiedenen Arten von Patenten und setzt die Gebühren fest, welche auch die Beiträge an die
Kosten der Jungfischeinsätze umfassen. Die Gebühren richten sich nach den örtlichen Befischungsmöglichkeiten und betragen Fr. 20 bis Fr. 300. Der Regierungsrat kann die obere Grenze für diese Gebühren auf den
Beginn einer Pachtperiode bis auf den doppelten Betrag erhöhen.
Zusätzliche Patentgewässer § 20. Der Regierungsrat kann auf Beginn jeder Pachtperiode die Berechtigung zur Angelfischerei vom Ufer aus in
grösseren Stauhaltungen der Flüsse ebenfalls dem Patentsystem unterwerfen.
Beschränkungen § 21. Der Regierungsrat kann die Ausgabe von Patenten aufgrund fischereiwirtschaftlicher oder anderer öffentlicher
Interessen beschränken.
Rückerstattung von Gebühren § 22. Bei Tod oder andauernder schwerer Krankheit des Patentinhabers werden die Gebühren auf Gesuch hin anteilmässig zurückerstattet.
IV. Fangausübung Grundsatz § 23. Für den Fischfang dürfen nur Geräte verwendet werden, die in den Fischereivorschriften ausdrücklich vorgesehen sind.
Überwachung der Angelgeräte
§ 24. Die Angelgeräte sind von den Fischern, welche sie ausgelegt haben, zu überwachen.
Aufnehmen von Fanggeräten und Markierungszeichen § 25. Das Aufnehmen fremder Fanggeräte oder Markierungszeichen ist
nur den staatlichen Kontrollorganen gestattet.
Natürliche Köder § 26. Die zuständige Direktion FN8 bestimmt, welche Fischereiberechtigten natürliche Köder fangen dürfen.
Als Köderfische kommen nur solche in Frage, für die kein Fangmindestmass vorgeschrieben ist. Die zuständige Direktion FN8 bezeichnet die zulässigen Fanggeräte.
Krebse
§ 27. Geräte und Methoden für den Krebsfang werden von der zuständigen Direktion FN8 festgelegt.
Beschränkungen der Fangausübung § 28. Der Regierungsrat legt den Rahmen der Beschränkungen für alle Arten
der Fangausübung fest. Die zuständige Direktion FN8 regelt die Einzelheiten.
V. Massnahmen zur Hebung der Fischerei Bewirtschaftung § 29. Die fischereiliche Bewirtschaftung der Gewässer ist Aufgabe der
zuständigen Direktion FN8. Der Erhaltung natürlicher Lebensgemeinschaften in und an den Gewässern ist dabei Rechnung zu tragen.
Laichfischfang § 30. Die zuständige Direktion FN8 regelt zur Gewinnung von
Brutmaterial den Laichfischfang während den entsprechenden Schonzeiten. Die Pächter staatlicher Reviere sind verpflichtet, den Laichfischfang durch die staatlichen Organe zu dulden. Laichfische sind, sofern sie
lebensfähig sind und soweit es im Interesse der Bewirtschaftung liegt, wieder zurückzuversetzen.
Fischzuchtanlagen § 31. Für die Ausbrütung und Aufzucht von Besatzfischen betreibt die zuständige Direktion
FN8 staatliche Fischzuchtanlagen. Private Anlagen unterstehen ihrer Aufsicht.
Fischeinsatz § 32. Sämtliche Fischeinsätze unterstehen der Aufsicht der zuständigen Direktion FN8. Sie dürfen ein ökologisch
vertretbares Mass nicht überschreiten.
Bewilligungspflicht für technische Eingriffe § 33. Alle technischen Eingriffe sowie Trockenlegungen bedürfen einer Bewilligung. Diese wird von der Baudirektion im
Einvernehmen mit der zuständigen Direktion FN8 erteilt.
Aussergewöhnliche Verhältnisse § 34. Die zuständige Direktion FN8 kann bei Eintritt aussergewöhnlicher Verhältnisse die Fangausübung einschränken.
VI. Verwaltung und Aufsicht Zuständige Direktion FN8 § 35. Die zuständige Direktion FN8 verwaltet das Fischereiregal und übt die allgemeine Aufsicht über die Fischerei aus. Sie sorgt für die Erhaltung
und Hebung des Regals.
Fischereikommission § 36. Der zuständigen Direktion FN8 ist eine beratende Fischereikommission beigegeben. Diese wird vom Regierungsrat gewählt.
Fischereiaufseher
§ 37. Die zuständige Direktion stellt Fischereiaufseher an und bestimmt ihre Aufgaben. FN9 Die zuständige Direktion FN8 kann nebenamtliche Fischereiaufseher ernennen. Sie regelt deren Ausbildung. Die
Fischereiaufseher sind vom Statthalter ins Handgelübde zu nehmen. Ihren Meldungen kommt die nämliche Beweiskraft zu wie denjenigen der Polizeiangestellten gemäss der Strafprozessordnung FN2.
Die besondern Bestimmungen für die Grenzgewässer bleiben vorbehalten.
Polizei § 38. Die Polizeiorgane des Kantons und der Gemeinden überwachen die Einhaltung der Fischereivorschriften und unterstützen die
Fischereiaufseher bei ihrer Aufgabe.
Instruktionskurse § 39. Die zuständige Direktion FN8 kann die Pächter zum Besuch von Instruktionskursen verpflichten.
Statistik § 40. Die zuständige Direktion
FN8 führt eine Fang- und eine Besatzstatistik. Sie regelt das Meldeverfahren.
VII. Strafbestimmung Strafbestimmung § 41. Übertretungen dieses Gesetzes und der gestützt darauf erlassenen Verordnungen
und Verfügungen werden, soweit nicht die Strafbestimmungen des Bundes zur Anwendung kommen, mit Haft oder Busse bestraft. In leichten Fällen kann ein Verweis erteilt werden.
Die Untersuchung und Beurteilung der Übertretungen obliegt den Statthalterämtern.
VIII. Schluss- und Übergangsbestimmungen Ausführungsbestimmungen
§ 42. Der Regierungsrat erlässt eine Verordnung FN4 zu diesem Gesetz.
Inkrafttreten, Aufhebung bisheriger Erlasse § 43. Dieses Gesetz tritt, sofern die Stimmberechtigten es annehmen, nach der amtlichen
Veröffentlichung des Kantonsratsbeschlusses über die Erwahrung und nach der Genehmigung durch das Eidgenössische Departement des Innern FN7 auf den vom Regierungsrat zu bestimmenden Zeitpunkt in Kraft FN6.
Auf den gleichen Zeitpunkt wird das Gesetz betreffend die Fischerei vom 29. März 1885 aufgehoben.
|