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    monofile Schnur

    Auf den Rollen vieler Meeres- oder Raubfischangler findet sich mittlerweile geflochtene Schnur. Doch die monofile Schnur hat nach wie vor ihre Berechtigung, sei es bei diversen Arten des Angelns auf Friedfische oder auch beim so genannten “leichten Pilken” in der Ostsee. Vorteile von monofiler Schnur gegenüber einer Geflochtenen liegen u.a. in der größeren Dehnung (puffert Fluchten der Fische), der hohen Abriebfestigkeit oder der hohen Knotenfestigkeit. Und nicht zu vergessen, es handelt sich bei der Frage nach der Schnurwahl eben auch um eine Preisfrage, geflochtene Schnur ist leider um ein mehrfaches teurer.

    Was ist denn eine “monofile” Schnur?

    Monofile Schnur besteht, der Name sagt es bereits, aus nur einem Faden. Als hauptsächlicher Grundstoff wird dabei Polyamid, auch bekannt unter dem Markennamen “Nylon”, verwendet. Teilweise wird als Grundstoff auch Polyfluorcarbon (auch Fluorocarbon) eingesetzt. Am Beginn der Fertigung steht dabei das Polyamid in Granulatform, welches in einem Extruder auf 250°C erhitzt wird. Von dort aus wird die Masse mit hohem Druck durch Düsen gepresst, im Wasserbad abgekühlt und der dabei entstehende Faden durch wiederholte erneute Erwärmung weiter gestreckt. Das passiert so lange, bis der Faden den gewünschten Durchmesser hat.

    Das ist, grob vereinfacht, bereits der ganze Herstellungsprozess einer monofilen Angelschnur. Durch die Modifikationen der Polyamide, die Wahl der Zusatzstoffe und durch die Qualitätsauswahl der Ausgangsstoffe haben die Hersteller die Möglichkeit, auf die Eigenschaften des Endproduktes Einfluss zu nehmen. Auch die Abstimmung der einzelnen Eigenschaften Tragkraft, Dehnung, Abriebfestigkeit oder Härte (Steifheit) geschieht dabei durch die Auswahl der Ausgangsstoffe und die Art der Herstellung. Dabei schließen sich verschiedene Eigenschaften leider aus, eine Schnur mit hoher Tragkraft kann gleichzeitig leider nur eine geringe Dehnung und Weichheit haben.

    In Deutschland hat sich übrigens eingebürgert, dass auf den Verpackungen ausnahmslos die lineare Tragkraft angegeben wird, die zugegebenermaßen etwas praxisfremd ist. In England oder den USA beispielsweise wird bei Schnur immer die so genannte Nassknotenfestigkeit angegeben, bei Vergleichen mit “deutscher” diese bitte mit dem Faktor 1,3 multiplizieren.

    Tragkraft, die Phantasie einiger Hersteller

    Unser Besuch bei der letzten
    ANSPO und ein Blick in die diversen Kataloge der Versender zeigt leider, dass es einige Anbieter mit der Wahrheit bei den Angaben auf den Verpackungen immer noch nicht so ganz Ernst nehmen. Es werden Durchmesserangaben auf die Verpackungen geschrieben, die wenig mit den tatsächlichen Durchmessern zu tun haben. Die technisch bedingten Fertigungstolerenzen liegen dabei bei lediglich +/- 0,01 mm, alles was darüber hinaus geht sind vorsätzliche falsche Angaben der Anbieter.
    Auf der anderen Seite halten die Schnüre dann auch nicht das, was sie bei der Tragkraft versprechen. Leicht ist dieser Betrug zu entdecken, wenn z.B. eine 0,25er Schnur eine Tragkraft von über 8 kg haben soll - dass ist technisch überhaupt nicht möglich (siehe Übersicht unten). Schwierig für den Käufer ist es, wenn diese Schnur mit einer Tragkraftangabe von 6,40 kg bezeichnet ist. Das ist nämlich technisch gerade so möglich, setzt jedoch einen hohen Aufwand und die Verwendung erstklassischer Rohstoffe voraus. Leider versuchen die Anbieter aber permanent minderwertige Ware als “High-Tec”-Produkt zu verkaufen, ohne dass Sie dies im Falle von Angelschnur einfach überprüfen können.

    Wir haben dies zum Anlass genommen und einmal monofile Schnüre von verschiedenen Herstellern überprüft. Dabei haben wir, wie jeder andere Angler auch, unsere Schnur in diversen Läden und bei einigen
    Versandhändlern gekauft. Damit kann es natürlich sein, dass die ein oder andere “überlagerte” Schnur mit dabei war - aber genau das sind ja die Ausgangsbedingungen, die Sie auch haben.

    Wie haben wir getestet

    Als Ausgangsmaterial haben wir 29 verschiedene monofile Schnüre verwendet, die von den Herstellern alle mit der  Durchmesserangabe von 0,20 mm verkauft werden. Nach einer optischen Begutachtung haben wir an
    3 verschiedene Stellen den Durchmesser mit einem Mikrometer überprüft. Monofil-Schnüre sind produktions- bedingt im Durchmesser nie ganz kreisrund, sondern leicht oval. Deshalb ist es notwendig, den Durchschnitt aus mehreren Messungen zu bilden. Kurz und bündig, alle Schnüre sind stärker als 0,20 mm - ein beliebter Trick, um bei dem Verhältnis Durchmesser / Tragkraft zu schummeln. Im folgenden die jeweils 3 Schnüre mit den geringsten und größten Abweichungen:

    • PLATIL Strong, tatsächlicher Durchmesser 0,201 mm
    • Waku Stroft N, tatsächlicher Durchmesser 0,204 mm
    • Riverge Fluo, tatsächlicher Durchmesser 0,229 mm (diese Schnur ist mit 0,218 mm auf der Verpackung angegeben)
    • WAKU Stroft Super, tatsächlicher Durchmesser 0,229 mm
    • Berkley Trilene SensiThin, tatsächlicher Durchmesser 0,232 mm
    • Sänger Specitec, tatsächlicher Durchmesser 0,263 mm

    Wie bereits geschrieben, liegen die fertigungstechnischen Toleranzen bei 0,01 mm, weitere 0,005 mm können durch die Aufnahme von Feuchtigkeit hinzugerechnet werden. Das heißt, alle Durchmesser größer als 0,215 mm werden mit Absicht genau so hergestellt, der Käufer wird getäuscht. Absoluter Ausreißer ist hier die Sänger Specitec, um unglaubliche 31,5% weicht der tatsächliche Wert vom Angegebenen ab.

    Im nächsten Schritt haben wir alle Schnüre dann einer Zerreißprobe unterzogen. Verwendet haben wir dabei den “WAKU-Schnurtester”, der als zuverlässiges Gerät bekannt ist. Bei diesem wird die Schnur so lange “gezogen”, bis diese zerreißt. Dabei wird die dafür benötigte Kraft festgestellt und die Tragkraft in kg angezeigt (eigentlich müsste es Zerreißkraft heißen und diese in kp angegeben werden - wir verwenden aber trotzdem die bekannteren Begriffe). Auch hier eine Aufstellung, diesmal unterteilt in die „besten“ 3 Schnüre“ und die „schlechtesten“
    3 Schnüre:

    • EFT Forelle, angegebene TK: 2,35 kg, tatsächliche TK: 3,13 kg - entspr. Abweichung von 33,33 %
    • Quantum Quattron PT, angegebene TK: 3,8 kg, tatsächliche TK: 3,9 kg - entspr. Abweichung von 2,5 %
    • WAKU Stroft Super, angegebene TK: 3,6 kg, tatsächliche TK: 3,67 kg - entspr. Abweichung von 1,9 %
    • Berkley Ironsilk, angegebene TK: 4,2 kg, tatsächliche TK: 2,9 kg - entspr. Abweichung von 31 %
    • Berkley Trilene SensiThin, angegebene TK: 7,1 kg, tatsächliche TK: 4,29 kg - entspr. Abweichung von -39,6 %
    • Mitchell Quartz, angegebene TK: 5,6 kg, tatsächliche TK: 3,07 kg - entspr. Abweichung von -45,2 %

    Während des Tests waren wir teilweise einfach nur sprachlos bei diesen Ergebnissen. Bilden Sie sich selber Ihr Urteil, die Ergebnisse sprechen für sich. Interessant auch, dass die billigste Schnur im Test, die “EFT”, gekauft im Fachmarkt aus dem Wühltisch, eine wesentliche höhere Tragkraft hat als angegeben. Regelrecht erschreckend ist  dagegen die Anzahl von Schnüren mit einer Abweichung von teilweise weit über 10%, hier hört nämlich die technisch noch gerade zu vertretende Toleranz auf. Es muss klipp und klar festgestellt werden, dass bei monofilen Schnüren Tragkraftangaben (bei einer 0,20er Schnur) von deutlich über 4,3 kg in betrügerischer Absicht auf die Verpackung gedruckt werden. Technisch ist dies, selbst mit den besten Grundstoffen und den neuesten Produktionsmethoden, nicht möglich.

    Zur vollständigen Information hier eine Übersicht zu den derzeit höchstmöglichen Tragkräften:

    Durchmesser (mm)

    0,10

    0,14

    0,16

    0,18

    0,20

    0,25

    0,30

    0,35

    0,40

    0,50

    Tragkraft (kg):

    1,40

    2,20

    3,00

    3,60

    4,30

    6,40

    8,00

    11,00

    14,50

    22,00





    Was können Sie denn nun tun, um nicht “über den Tisch gezogen” zu werden? Folgende Tipps:

    • schalten Sie Ihren Verstand ein, monofile Schnüre von 0,20 mm mit einer Tragkraft von 7,1 kg (wie bei der “Berkley Trilene SensiThin”) gibt es nicht - hier betrügt der Hersteller bei der Produktkennzeichnung;
    • achten Sie auf die kürzlich geschaffene Zertifizierung durch die EFTTA, aktuelle Informationen auf der dortigen Webseite; passen Sie aber bitte auf, dass Sie nicht ein altes Produkt von einer Schnur kaufen, die heute eventuell zertifiziert ist; leider sieht man bei einzelnen Angel”fach”händlern immer wieder Uraltschnur im Regal;
    • fragen Sie doch einfach andere Angler, welche Erfahrungen dieser mit der Schnur gemacht haben; diese und ähnliche Fragen diskutieren im größtem deutschen Angelforum die über 8.000 angemeldeten Mitglieder immer wieder.

    Die vollständigen Testergebnisse stellen wir Ihnen als PDF-Datei zur Verfügung, einfach auf das kleine Vorschaubild klicken.







    Übrigens: Nur noch 2 Hersteller von monofiler Angelschnur,
    BAYER und die Monofil-Technik GmbH (Markenname PLATIL), gibt es überhaupt in Deutschland. Bei allen anderen Anbietern von monofiler Schnur “Made in Germany” handelt es sich um Umspulbetriebe, diese kaufen die Schnur von einem der beiden Anbieter und spulen diese lediglich von großen Industrierollen auf die kleineren Verkaufsrollen um.

    Autor: <og>, 25.02.2005
    Testzeitraum: Januar 2005




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