|
Die Rute - Rückrat erwünscht
Die Rute ist das wohl deutlichste “Erkennungsmerkmal” eines Anglers - und doch werden hier erstaunlich viele Fehler beim Kauf gemacht. Wie auch
bei Rollen gilt ein Grundsatz - Qualität kostet. Ob aber 2.000 € für eine Stipprute notwendig sind, sei mal dahingestellt - 20 € zeugen allerdings lediglich von minderwertigem Material und einem sparen
an der falschen Stelle.
Als erstes sollten Sie natürlich wissen, für welche Zielfische Sie die
Rute verwenden wollen. Auf Räuber, Friedfisch oder zum Kutterangeln? Finger weg von “Allround”- Ruten, bestenfalls taugen diese zu überhaupt nichts. Von wenigen Ausnahmen
abgesehen (Stipp- oder Sbirolinofischen) rate ich auch von Teleskopruten ab. Bei vergleichbarer Qualität und Material- eigenschaften zahlen Sie im Vergleich zu einer Steckrute immer
drauf. Teleskopruten bieten sich für den ambitionierten Angler nur an, wenn es auf die geringe Transportlänge ankommt. Natürlich ist der Preis ein wichtiges allgemeines Merkmal - aber nie
vergessen, wer qualitativ hochwertige Ruten erwartet, der darf etwas mehr auf den Tisch seines Gerätehändlers hinlegen.
Das Herstellungsland ist übrigens total unwichtig, alle Blanks werden
heute sowieso ausschließlich in Asien gefertigt. Vor einem Kauf sollten Sie sich auch überlegen, welche Angelmethode Sie mit der Rute hauptsächlich ausüben wollen. Bei
ständigem Werfen (Spinnangeln) ist ein geringes Rutengewicht wichtig, bei beengten Platzverhältnissen (Uferbewuchs etc.) eine kürzere Rutenlänge.
|
Aramid Synthetisches Polyamid (faden- bildender elastischer Kunststoff). Sehr zug- und schlagfest, besitzt aber eine geringe Steifheit. Sie
wird nur in Kombination mit Kohlefaser verarbeitet, um diese biegsamer zu machen. Unter dem eingetragenen Namen Kevlar
produziert die amerika- nische Firma DuPont die synthe- tische Aramidfaser. Glasfaser Wird nur noch für die Fertigung spezieller Blanks, besonders für Meeresruten, verarbeitet. Ist elastischer und damit
bruchfester, zugleich jedoch schwerer als andere Fasern. Wird auch mit Kohlefaser kombiniert, um deren Elastizität zu erhöhen. Graphit Als kristalline Form eine so weiche
Modifikation des Kohlenstoffes, dass man damit schreiben kann. Die Bezeichnung Graphit wird auch auf Ruten übertragen, die aus Kohlefaser bestehen. Kohlefaser Besteht aus nahezu reinem
Kohlenstoff. Die Faser ist extrem fest und steif. Mit hochwertigem Kleber verbunden, im besten Fall Epoxydharz, entsteht der leichteste und härteste Blank. Kohlefaser verfügt jedoch nicht über die
Elastizität, wie sie Glas- oder Aramidfasern besitzen. Composit Unter diesem Kunstnamen werden Blanks zusammengefasst, die aus einer Mischung von Kohlefaser und Glasfaser hergestellt werden.
|
Das bestimmende Element einer Rute ist der Blank - der nackte Rutenkörper. Hauptsächlich wird
dieser heute aus Kohlefaser hergestellt, welche die vor einigen Jahren gebräuchliche Glasfaser abgelöst hat. Vorteil der Kohlefaser ist, dass die Ruten leichter, schlanker
und steifer sind. Nachteil ist die geringe Elastizität. Ruten aus Glasfaser oder einem Glas-/Kohlefasergemisch werden heute lediglich noch
für das schwere Bootsfischen (z.B. PENN) verwendet. In letzter Zeit bieten einige Hersteller auch Ruten mit Blanks aus einer Kohlefaser-/Kevlar Mischung an, damit wird die Bruchfestigkeit erhöht.
Genau so wichtig wie eine gut verarbeitete Blank sind hochwertige Ringe. Leichte Ruten verfügen über Einstegringe, schwerere über Zweistegringe. Schwere
Bootsruten verfügen ganz oder als Spitzenring über Rollenringe. Entscheidend ist das Material der Ringeinlagen. Silicium Carbide (SIC) hat sich in den letzten Jahren
durchgesetzt. Es ist leicht, sehr hart und glatt. Die letzteren beiden Eigenschaften sind insbesondere für geflochtene Schnüre erforderlich. Ebenfalls von hoher Qualität
ist High Grade Aluminiumoxide (Hardloy) - wenn auch nicht so hart wie SIC. Prinzipiell sollte eine Rute über Ringeinlagen aus einem dieser beiden Materialien verfügen, alles andere ist Kinderkram.
Nicht ganz unwichtig ist die Anzahl und Verteilung der Ringe. Der Leitring (erster Ring nach der Rolle) sollte nah bei der Rolle sitzen, sonst wird die Schnur nicht gut
geleitet. Höherwertige Ruten haben an der Rutenspitze mehr Rutenringe mit ent- sprechend geringem Abstand zueinander. Dadurch ist der Winkel der Angelschnur geringer - die Blank wird weniger belastet.
Dann bleibt da noch der Griff. Sehr verbreitet ist Kork, es ist rutschfest, atmungsaktiv und von guter Handhabung bei jeder Temperatur. Insbesondere bei
preiswerteren Ruten findet Moosgummi (Duplon) seinen Einsatz. Ich persönlich bevorzuge immer Korkgriffe, diese “fühlen” sich einfach besser an. Selten wird auch Leder verwendet (Tennisschlägergriff).
Der Rutengriff selber teilt sich in Ober- und Untergriff sowie Abschlusskappe. Das Gewicht der Abschlusskappe ist für die Balance wichtig. Einige Ruten verfügen über
veränderliche Gewichte. Die optimale Länge des Griffs bestimmen Sie einfach, indem Sie an die Rute eine Rolle montieren und die Rute unter Ihren Unterarm legen. Mittel-
und Zeigefinger dabei um den Rollenfuß legen. Idealerweise ist die Abschlusskappe jetzt genau an Ihrem Ellenbogen oder ragt wenig darüber hinaus.
Rollenhalter sind heute fast ausschließlich als Schraubrollenhalter erhältlich, fast immer bestehen diese aus Kunststoff. Teilweise sind diese dann auch wieder mit Kork überzogen.
Alles was ich bisher gesagt habe, bezieht sich auf “äußerliche” Merkmale der Rute. Bei Ihrer Kaufentscheidung müssen Sie aber genau so auf die Aktion, das Wurfgewicht und die Testkurve achten. Als Aktion wird das
Krümmungsverhalten der Rute bezeichnet. Ruten mit Spitzenaktion (Fast Taper) sind sehr hart, sie krümmen sich nur im oberen Drittel. Sie haben ein sehr gutes
Wurfverhalten, ermöglichen einen durchdringenden Anhieb und bieten viel Gespür bei der Köderführung. Insbesondere bei Stipp-, Feeder- und Matchruten finden Sie eine ausgeprägte Spitzenaktion.
Das genaue Gegenteil sind Ruten mit einer parabolischen Aktion, die Krümmung geht von der Spitze bis zum Handgriff. Vorteile liegen hier vor allem im Drill, diese nachgiebigen Ruten fangen den Fisch recht sicher ab.
Vorteile der einen Aktion sind die Nachteile der anderen. Deshalb gibt es als vermeintlichen Mittelweg die semi-parabolische Aktion. Für Einsteiger sicherlich zu
empfehlen, ambitionierte Angler können damit recht wenig anfangen. Das Wurfgewicht einer Rute ist auf dieser immer angegeben. Es bezeichnet den Gewichtsbereich des
von Ihnen verwendeten Köders oder Montage. Ideal ist es, wenn Sie mit Ihrem Gewicht ca. in der Mitte der angegebenen Werte bleiben. Beachten Sie beim Spinnangeln, dass ein Spinner oder Wobbler einen recht hohen
Druck entwickelt - Ihre Rute kann schnell überfordert sein. Auch beim angeln in schnell fliessenden Gewässern sollte ein höheres Wurfgewicht gewählt werden.
Die Testkurve bezeichnet die Kraft, über die eine Rute verfügt, wenn ihr Krümmungswinkel vom Handteil zur Rutenspitze 90 Grad beträgt. Dieses Maß wird
immer in englischen Pfund (Abkürzung lb. oder lbs. - ein lb. = 454 Gramm) angegeben. Die Testkurve ist im Prinzip einfach zu ermitteln, indem die Rute waagerecht positioniert und an der
Schnur ein Gewicht befestigt wird, das gerade so schwer ist, dass es die Rutenspitze senkrecht herunterzieht. Die
Testkurve wird vor allem auf Karpfenruten angegeben. Eine Testkurve von 2 lbs. besagt, dass die Rute sich bei einem Gewicht von etwa 908 Gramm (= 2 lbs.) um 90 Grad krümmt.
Vergessen Sie bitte nicht, dass auch eine Rute etwas Pflege benötigt. Meist reicht nach dem angeln das abwischen
mit einem sauberen und feuchten Lappen. Nach dem angeln im Salzwasser sollten Sie die ganze Rute gründlich mit
Süßwasser abwaschen und dann trocknen lassen. Verdreckte Rutengriffe aus Kork können mit einer Bürste und lauwarmen Seifenwasser gereinigt werden. |