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Karpfenangeln in Kiesgruben
Kiesgruben gedeihen und reifen sehr schnell, und was zunächst nicht weiter als ein hässliches Loch in der Erde sein mag,
kann sich schon innerhalb weniger Jahre in eine paradiesische Wasserwelt verwandeln. Binnen kürzester Zeit finden sich in diesen neu geschaffenen Lebensräumen Fische ein, sei es auf natürliche Weise oder
im Zuge eines gezielten Besatzes durch Angelvereine und Umweltschützer. In diesen nahrungsreichen Gewässern gedeihen anscheinend die meisten Fischarten sehr gut, doch habe ich den klammheimlichen
Verdacht, als würden sich die Karpfen am besten machen.
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Karpfenparadies Auch junge Kiesgruben bieten eine große
Vielfalt an Nahrung, die sich die Karpfen umgehend zunutze machen - das führt zu einem schnellen Abwachsen und zu gesunden, kampfstarken Fischen. Viele Angler behaupten, dass Kiesgruben-Karpfen wesentlich stärker
kämpfen als diejenigen Fische, die man beispielsweise in uralten Landgutseen antrifft. Ich glaube, das liegt daran, dass die Fische im Verhältnis zu ihrer Größe sehr jung sind, und dass der Wind aufgrund der
ungeschützten Lage einer Kiesgrube ständig die Wasseroberfläche in Bewegung hält und somit für den so überaus wichtigen, hohen Sauerstoffgehalt sorgen kann. Im Gegensatz zu vielen natürlichen Seen, aufgestauten
Flüssen und künstlich geschaffenen Landgutseen haben Kiesgruben einen welligen Grund, der auf einer Strecke von nur wenigen Metern um bis zu drei Meter ansteigen oder abfallen kann. Im Gegensatz zu vielen
anderen Revieren, die ein Karpfenangler zu Gesicht bekommen kann, finden sich an Kiesgruben in der Regel unzählige interessante Gewässermerkmale. Manchmal sind sie sogar so zahlreich, dass es schwierig wird, die
Stellen mit den besten Fangaussichten ausfindig zu machen. Daher müssen wir uns unbedingt darüber im klaren sein, wie sich Kiesgruben-Karpfen in ihrem Lebensraum fortbewegen. Auf den ersten Blick mag eine solch
eintönige Wasserfläche völlig uninteressant erscheinen, und viele Angler machen den Fehler, an irgendeine beliebige Stelle einzuwerfen. Wenn sie nur sehen könnten, was unter der Oberfläche liegt. Wir müssen also
unbedingt die Topographie einer solchen Grube kennen, um mit schöner Regelmäßigkeit Karpfen fangen zu können. Wenn ich regelmäßig an einem bestimmten Gewässer angeln möchte, erstelle ich zunächst eine detaillierte
Karte des gesamten Ufers und aller dort vorkommenden Besonderheiten. Dabei kennzeichne ich auch alle Inseln und direkt unter der Wasseroberfläche sichtbaren Kiesberge, denn sie sind der Schlüssel zu einigen der
besseren Angelstellen. Auch die Himmelsrichtungen müssen auf der Karte eingetragen werden, damit man später vorhersagen kann, wie unterschiedliche Windrichtungen sich auf das Wander- und Fressmuster der Karpfen
auswirken werden.
So einfach erkunden Sie die Gewässertiefe Ich lasse also meine eigentlichen Angelruten zu Hause und verbringe mindestens einen Tag damit, mit Hilfe einer Rute, Rolle und
Markierungspose sämtliche Gewässermerkmale abzusuchen. Die dafür verwendete Montage ist ganz einfach; eine normale Karpfenrute mit einer etwa 10 lbs (4,5 kg) starken Schnur und eine einfache Endmontage ist alles,
was man dafür braucht. Auf die Hauptschnur kommt ein frei bewegliches Laufblei, und das Ende wird mit einem sehr auftriebsstarken Merkmalsucher oder Markierungspunkt verbunden. Dieser muss in hellem Orange
lackiert werden, um gut sichtbar zu sein. Um einen möglichst großen Wasserbereich abdecken zu können, benutze ich ein Bodenblei mit einem Gewicht von 60 bis 80 g. Mit Hilfe dieser Montage kann ich vom Ufer aus
sämtliche Wassertiefen im Umkreis von etwa 100 m ausloten. Mit anderen Worten: jede Stelle, die innerhalb des normalen Wurfbereichs liegt. Folgendes Verfahren kommt dabei zur Anwendung: Werfen Sie so weit wie
möglich in die Kiesgrube ein, lassen Sie die Schnur absinken und nehmen Sie Fühlung auf, damit sich die Schnur zwischen der Lotmontage und der Rutenspitze strafft. Jetzt befindet sich die Suchpose direkt neben dem
Bodenblei auf dem Grund. Lassen Sie jetzt langsam Schnur von der Rolle laufen, und merken Sie sich genau, wie viel Schnur durch das Bodenblei gelaufen ist, wenn die Suchpose an der Wasseroberfläche auftaucht. Um mir
die Sache zu erleichtern, bringe ich normalerweise in einem ganz bestimmten Abstand oberhalb der Rolle eine Markierung direkt an der Rute an. Auf diese Weise kann man beim Ablaufen der Schnur schnell und problemlos
mitzählen und erhält eine exakte Tiefenmessung für die betreffende Stelle. Als nächstes sollten Sie einige Meter einholen und den ganzen Vorgang wiederholen. Dann können Sie all die verschiedenen Tiefen in Ihre
Karte eintragen, und schon nach sehr kurzer Zeit zeigt sich Ihnen eine völlig neue Welt. Achten Sie ganz besonders auf Steilabfälle, flache Barren im offenen Wasser, zwischen den Barren befindliche Lücken und
Bereiche in der Nähe von Inseln - hier liegen die möglichen Hotspots. Obwohl diese Arbeit zunächst sehr mühselig erscheinen mag, zahlt sie sich garantiert aus, sobald Sie mit dem eigentlichen Fischen anfangen.
Natürlich lässt sich diese ganze Prozedur auch abkürzen, wenn an dem betreffenden Gewässer auch Boote und Echolote erlaubt sind. Diese so ungemein wichtige Arbeit kann dann in einem Bruchteil der Zeit erledigt
werden, die mit Rute und Rolle benötigt wird. Wenn Sie das Gewässer erst einmal kartiert haben, können Sie erste Vermutungen zum Aufenthaltsbereich der Karpfen anstellen. Eines sollten Sie dabei jedoch stets
bedenken, und zwar ungeachtet aller Wetterverhältnisse.
Karpfen lieben Rinnen Karpfen sind von Natur aus neugierige Geschöpfe und suchen mit Vorliebe an solchen Stellen nach Futter, an denen es
irgendetwas Ungewöhnliches gibt. Weite Bereiche mit einheitlicher Tiefe sind für unsere Beute also kaum interessant. Die glatten Kiesbarren selbst werden vermutlich nur sehr wenig Nahrung aufweisen. Da sie von
Unterwasserströmungen und von strömungsbildenden Winden glattgefegt werden, kann sich eine natürliche Speisekammer dort nur schwerlich herausbilden. Dies gilt in besonderem Maße für die höchsten Erhebungen der
Barren. Allerdings findet man dort Ansammlungen verschiedener Muschelarten, denn sie lieben solche glatten Bereiche - besonders zwischen Steinen und Kies, wo sie kleine Futterpartikel aus den winzigen Spalten
heraussaugen können. Obwohl die Karpfen diese Muscheln nicht verschmähen, gibt es in nicht allzu großer Entfernung eine vermutlich bessere und leichter zugängliche Nahrungsquelle. Damit meine ich die Seiten und den
Grund der Barren und Gräben, wo sich mit der Zeit Schlamm ansammelt und die Nahrungskette erst so richtig in Schwung kommt. Natürlich trifft man in solchen Bereichen fressende Karpfen an, doch die Barren selbst
werden von den Karpfen auch als eine Art Unterwasser-Straßennetz verwendet. Bei sich ändernden Wetterverhältnissen, wenn der Wind plötzlich aus einer ganz anderen Richtung kommt und die Karpfen von einem Bereich der
Kiesgrube in einen anderen ziehen, werden die Barren zu ganz ausgezeichneten Abfangpunkten. Noch deutlicher wird dies an Stellen, an denen die Barren kleine Lücken aufweisen. Auf ihrem Weg zu den neuen Fressgründen
werden die Karpfen durch diese Bereiche geschleust, und folglich werden die dort angebotenen Köder von den durchziehenden Karpfen problemlos gefunden und normalerweise sofort genommen. In solchen Bereichen werden in
aller Regel auch die größten Fänge gemacht. Da die Karpfen unterwegs sind, passieren ständig einige von ihnen den Köder, und wenn die sonstigen Bedingungen stimmen, kann man einen nach dem anderen fangen. Diese
„Wanderer“ verraten sich häufig dadurch, dass sie mit Kopf und Schultern die Wasseroberfläche leicht durchstoßen. Wenn man dieses Verhalten mit einem Fernglas genau beobachtet, zeigen die Karpfen beinahe wie
Wegweiser den Verlauf ihrer Wanderung an. In aller Regel bewegen sich Kopf und Schultern der Karpfen unmittelbar in die allgemeine Zugrichtung, besonders bei starkem Wind, wenn sich die Wellen an der
Wasseroberfläche brechen. Je ungemütlicher die äußeren Bedingungen, so scheint es, desto mehr bekommt man von den Karpfen zu sehen, desto enger stehen sie beieinander und desto schneller bewegen sie sich fort. Es
wirkt fast so, als hätten sie einen gemeinsamen Auftrag zu erfüllen, als wären sie sich alle darüber einig, dass es einen bestimmten Bereich der Kiesgrube möglichst schnell zu erreichen gilt. Unter solchen Umständen
sind hervorragende Gewässerkenntnisse und eine genaue Vorstellung davon, wo sich die Karpfen bei einer bestimmten Windrichtung schließlich einfinden werden, die beste Garantie für den so überaus wichtigen Vorsprung,
der Ihnen letztendlich den Löwenanteil der Fische beschert. Hören Sie nie auf, das Wasser zu studieren - schon nach kurzer Zeit werden Sie feststellen, dass sich ein ganz bestimmtes Schema abzeichnet. Und zwar
mit einer solchen Deutlichkeit, dass Sie nur noch aufmerksam den Wetterbericht verfolgen müssen, um die Karpfen auffinden zu können, ohne das Sie das Gewässer überhaupt zu Gesicht bekommen.
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Verhalten bei Wind Bei einem sehr starken,
warmen Wind findet man die Karpfen häufig an der dem Wind abgekehrten Seite der Barre, was beinahe einen Widerspruch zu dem bildet, was häufig geschrieben wird. Dabei passiert folgendes: Wenn eine
Kiesbarre bis knapp unter die Wasseroberfläche reicht, bewegen sich große Wassermassen über diesen flachen Bereich hinweg. Dadurch wird das Wasser auf der windwärtigen Seite der Barre im wahrsten Sinne
des Wortes angesaugt, über die Oberseite der Barre getrieben und gerät dahinter in Zirkulation. Es ist dieser etwas turbulentere Wasserbereich, in dem sich die Karpfen
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aufhalten. Hier vermischen sich die wärmeren Wasserschichten der
Oberfläche mit den darunter befindlichen kälteren Wasserschichten, während gleichzeitig Sauerstoff in den Bereich hineingeführt wird, und deshalb halten sich die Karpfen gerade in diesem Bereich mit Vorliebe auf.
Wenn solche Stellen auch Schlamm aufweisen, ist das Wasser häufig sichtbar getrübt - manchmal sieht es aus wie eine neben der eigentlichen Barre befindliche, braune Wolke.
Wenn das Wasser ruhig ist
Bei ruhigem, windstillem Wetter verteilen sich die Bewohner über die gesamte Kiesgrube, kreuzen jedoch ziellos in der Umgebung dieser so wichtigen Merkmale, die Sie ja mittlerweile gefunden haben. Daher können Sie
auch bei schlechten Angelbedingungen, was das Wetter betrifft, mit einem präzise platzierten Köder trotzdem den einen oder anderen Bonusfisch fangen.
Anlocken Seien Sie vorsichtig beim Angeln an
sehr steilen Abbruchkanten, weil dort die Gefahr besteht, dass die Karpfen durch das Anfüttern vom Angelbereich weggeführt werden. Das gilt besonders für Boilies, weil sie die Angewohnheit haben, die Steilabfälle,
Inselkanten und Plateaus hinunterzurollen. Daher kann es vorkommen, dass Sie Ihre Kostproben zwar sehr genau ins Wasser geben, die Boilies jedoch viele Meter von Ihrem Hakenköder entfernt enden. Ihre Suchmontage
wird Ihnen helfen, die richtigen Angelbereiche exakt zu bestimmen, damit beides - Angeln und Anfüttern - optimal klappt. Sie brauchen nämlich einerseits ein geeignetes Gewässermerkmal und andererseits eine Stelle,
an der sämtliche Köder auch liegen bleiben. Das alles können Sie ausfindig machen, indem Sie die Suchmontage an Ihrem vermuteten Hotspot einsetzen. Wenn die Suchpose erst einmal an der richtigen Stelle sitzt, können
Sie diese vorübergehend als Orientierungspunkt beim Einwerfen der Kostproben bzw. des Hakenköders benutzen. Nachdem Sie die Falle gestellt haben, können Sie die Such- bzw. Markierungspose wieder einholen und
erneut einsetzen, um weitere Bereiche für Ihre anderen Ruten aufzufinden.
Leider haben viele dieser fischträchtigen Merkmale auch ihre Schattenseiten, und die größten Probleme stellen sich bei den Kiesbarren
selbst. Die Oberseite der Barren ist häufig mit scharfkantigen Steinen übersät, die sich verheerend auf das Angelgeschirr auswirken können. In solchen Bereichen ist die Verwendung eines Hänger-/ Schlagvorfachs
unerlässlich. Achten Sie darauf, dass das Vorfach lang genug ist, um den anfälligen Bereich richtig zu schützen. Für mich ist es keineswegs ungewöhnlich, ein Vorfach von bis zu drei Metern Länge zu benutzen. Da
es zwischen Vorfach und Hauptschnur einen Verbindungsknoten gibt, müssen Sie ein sicheres Rig verwenden, welches es dem Bodenblei ermöglicht, problemlos über den Knoten hinweg zu gleiten. An den meisten Kiesgruben
verwende ich eine der beiden folgenden Methoden: Die erste Montage besteht aus einem freilaufenden Birnenblei, das einen Wirbel mit großem Öhr aufweist, durch welches das Schlagvorfach problemlos hindurch gleiten
kann. Zum Schutz der Stopperknoten, dient eine doppelte Shocka-Perle, so wird verhindert, dass das Vorfach durch das Bodenblei beschädigt wird. Die andere Montage beinhaltet ein direkt auf der Schnur sitzendes
Bodenblei. Es weist einen verjüngt zulaufenden Gummieinsatz auf, der so in die Bohrung des Bleis eingesetzt wird, dass er sich notfalls auch lösen kann. Falls das Blei am Grund hängen bleibt, löst sich der
Gummieinsatz, und die weite Bohrung des auf der Schnur befindlichen Bleis sorgt dafür, dass der Knoten des Schlagvorfachs geradewegs durchlaufen kann. Diese beiden Rigs bieten nicht nur Schutz vor Hängern und
eine gute Präsentation, sondern machen auch die Landung eines gehakten Fisches wahrscheinlicher, weil es nicht selten vorkommt, dass das Bodenblei im Laufe des Drills mehrere Male hängen bleibt. Normalerweise löst
sich das Hängerblei, wenn der Karpfen die Richtung wechselt und somit die Zugrichtung am Blei ändert. Zum Karpfenangeln in Kiesgruben verwende ich meist Boilies von 18 - 25 mm Durchmesser. Dies gibt mir die
erforderliche Flexibilität, um gleichzeitig auf große Distanz angeln und präzise anfüttern zu können. Zum Fischen an der Oberseite von Barren und anderen Wanderbereichen benutze ich ein mehr oder weniger
gewöhnliches Grundboilie mit einem 30 cm langen Vorfach aus Monofilschnur. Zum Angeln in Schlammtaschen an der Rückseite und im Zwischenbereich der Barren verwende ich eine Pop-up-Montage, die etwa 5 cm über dem
Grund schwebt. Damit ist gewährleistet, dass der Köder von einem hungrigen Karpfen problemlos genommen werden kann.
Noch einen letzten Tipp Seien Sie jederzeit zu einem Platzwechsel bereit. Die
meisten großen Kiesgruben sind ziemlich ungeschützt, so dass sich ein Wetterumschwung schnell auf das Wasser auswirken kann. Auch die Bewohner solcher Gewässer reagieren sehr schnell, da sich die Situation unter
Wasser in großen, vom Wind beeinflussten Bereichen schnell ändern kann, und für einen Karpfen ist es ja überhaupt kein Problem, binnen weniger Minuten einige hundert Meter zurückzulegen. Manchmal hat man fast den
Eindruck, als könnten die Karpfen die bevorstehenden Veränderungen vorhersehen. Wenn Sie jedoch Ihre hart verdienten Kenntnisse einsetzen, werden Sie immer einen Schritt voraus sein. Der ganze Trick besteht darin,
vor den Karpfen zur Stelle zu sein und ihnen pünktlich zur Ankunft einen Futterteppich auszulegen.
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von ??, veröffentlicht bei dam.de
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