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Substanzen des Friedfischfutters
In unserem erstem Teil zum Friedfischfutter haben Sie etwas zu den Grundlagen erfahren, jetzt wollen wir uns etwas mit den Bestandteilen und Aromen beschäftigen.
Es ist sinnvoll sich nur auf wenige Grundstoffe zu beschränken, von denen Sie genau wissen, wie sie sich im Wasser verhalten, wie sie wirken und welche Fische darauf abfahren.
Aber was soll das Futter
eigentlich bewirken? Ganz einfach: In erster Linie die Fische zum Fressen oder zu verstärkter Nahrungssuche bewegen. Die aromatisch duftenden Wolken sollen außerdem die Geruchs- und Geschmacksnerven anregen und
Futterneid erzeugen. Durch farbliche Zutaten werden die Fische zudem noch optisch gereizt. Die entscheidende Aufgabe ist aber die Trägerfunktion der losen Ladung: als Binde- und Transportmittel von Maden, Würmern
und anderen Hakenködern mit zusätzlichem Lockeffekt. Wie Sie sehen, ist Futter nicht nur einfach ein Klumpen Lockmittel, sondern muss viele Aufgaben erfüllen. Deshalb muss mit Überlegung und Fingerspitzengefühl
angemixt werden. Damit Sie nicht lange herumexperimentieren müssen, hier eine Übersicht über die wichtigsten Zutaten und ihre Eigenschaften:
Paniermehl:
Toastbrot: keine große Eigenwitterung, geringe Bindewirkung, lockert das Futter auf. Dadurch löst es sich klumpenfrei und zügig am Grund auf. Mit einem Anteil von 40 % ideal für flaches Stillwasser.
Brötchen: hat eine ähnliche Wirkung wie Toast, klebt aber etwas besser und hat (wenn es frisch ist) einen angenehmen Eigengeruch, der die Lockwirkung erhöht. Sowohl im
Stillwasser als auch in leichter Strömung einsetzbar - bei einem Anteil von rund 30 %. Brot (Graubrot): Hat neben seinem leichten Eigengeruch vor allem gute Bindequalitäten und
wird deshalb als Bestandteil im Strömungsfutter geschätzt. Anteil je nach Fließgeschwindigkeit und Wassertiefe 25 bis maximal 35 %. Zwiebackmehl:
ist als Hauptträger des Futters nicht so bekannt wie Paniermehl, hat aber eine stärkere Eigenwitterung und - wenn es frisch ist - einen leicht süßlichen Geschmack.
Es bindet das Futter, ohne es zu verkleben und ist von der Zusammensetzung her ziemlich neutral. Ein Grund,
warum viele Weißfischexperten lieber mit Zwiebackmehl als mit Paniermehl mixen. Mein Grundfutter hat einen bis zu 40 %-igen Anteil Zwieback. Coprah Melasse:
eine der bekanntesten Zutaten für ein gutes Futter. Es riecht gut, schmeckt noch besser, klebt gut und löst sich im Wasser gut auf. Das sind Trümpfe, die beim Strom- und Brassenfischen ausgespielt werden.
Anteil: bis 30 %. Johannisbrotmehl: hat eine vergleichbare Wirkung wie Collant (PV 1), ist aber um ein Vielfaches süßer und klebriger. Anteil: 15 %.
Lebkuchenmehl: Das leicht nach Weihnachtsgebäck duftende Mehl ist wie Biskuit ein ausgezeichneter Kleber, der
das Futter gut bindet und ihm die gewisse Duftnote verleiht. Ein prima Zusatz für Brassen und Schleien im Sommer. Der Anteil liegt, abhängig von der Strömung, um etwa 20 %.
Blutmehl: färbt das Futter leicht rötlich und wirkt wegen des unverkennbar strengen
Geruchs auf Schleien, Barben, Karpfen und Döbel wie ein Magnet. Etwa 150 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter leisten gute Dienste. Kokosmehl (frisch, ungeröstet):
ist eine beliebte Beigabe zum Grundfutter, wenn Sie ein nährreiches und lecker duftendes Futter haben wollen. Es klebt leicht, wenn die
Kokosfasern sehr klein sind, und die hellen Raspeln im Futter machen die Fische neugierig. Anteil maximal 20 %. Sehr gut für das Angeln mit dem Futterkorb.
Maismehl: macht das Futter schwer, ohne es zu binden. Dadurch sinkt
es schnell zum Grund und löst sich gut unter starker Wolkenbildung auf. Wie viel Maismehl beigemischt wird, hängt in erster Linie von der
Wassertiefe und Strömungsstärke ab. In aller Regel sind es 10 bis 25 %, auf keinen Fall mehr, da das Mehl nicht klebt und die Ballen zu schnell auseinander brechen können. Maismehl hat neben
seiner Eigenschaft als "Schwermacher" noch den großen Vorteil, den Geruch und vor allem den Geschmack des gesamten Grundfutters zu verstärken. Maisgrieß:
wirkt wie Reismehl als Trennmittel. Die Ballen brechen schneller auseinander, was in flachen Gewässern ohne oder mit geringer Strömung vorteilhaft ist. Anteil: 10 bis 25 %. Milchpulver:
Ist wegen seiner anhaltenden Wolkenbildung sehr beliebt. Außerdem verbessert es den Geruch und Geschmack des Futters. Wer immer noch nach einem bombensicheren Bestandteil
für sein Köderfisch-Futter sucht, sollte es mal mit Milchpulver versuchen. Anteil: 20 %. Hanfmehl (frisch): Frisch gemahlenes Hanfmehl aus rohen Körnern ist leicht ölig und hat einen intensiven
Eigengeruch. Es macht das Futter locker, fördert die Verdauung der Fische und sorgt für ein zügiges Auflösen der
Futterballen am Grund. Die Körner trocken lagern und stets frisch kurz vor Angelbeginn mahlen. Gemahlener Hanf zieht alle Friedfische magisch an, ganz besonders dicke Rotaugen. 15 % Anteil ist empfehlenswert.
Hanfmehl (geröstet): steigert noch mehr den Appetit der Fische, vor allem im Winter, hat aber ansonsten die
gleichen Eigenschaften wie normales (ungeröstetes) Hanfmehl. Auch hiervon sollte der Anteil die 15 % nicht überschreiten.
Salz: Mineralstoffe stehen bei allen Flossenträgern hoch im Kurs. Salz ist ein echter Geheimtipp
an mineralarmen Baggerseen. Der Salzgehalt des Futters sollte dennoch nicht zu hoch sein - mit 100 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenmischung sind Sie gut beraten. Besser noch, Sie nehmen
gleich eine 100-Gramm-Tüte "Tonic" von Sensas auf 5 Kilogramm Futter. Dieser spezielle Mineralstoffmix hat alles, was Fische anmacht. Zucker (Rohrzucker):
klebt und bindet das Futter und ist ein idealer Geschmacksverstärker. Anteil für den sommerlichen Brassenfang: etwa 300 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter. Collant (PV 1):
süßt das Futter nicht nur leicht, sondern lockt vor allem mit seinem leicht malzigen Geschmack. Im Sommer und Winter liegt der Anteil bei mindestens 15 %, egal ob Strömung oder Stillwasser. Erdnussmehl:
ist sehr fettig, bindet das Futter gut und macht es schwer. Trotzdem lösen sich die Ballen gut und gleichmäßig auf und entwickeln eine starke Anziehungskraft auf große Rotaugen. Anteil: 15 %.
Erdnussmehl (geröstet): hat einen erstklassigen Eigengeruch, der von den Fischen speziell im Winter sehr
geschätzt wird. Von der Konsistenz verhält es sich eher neutral, mehr Trenner als Bindemittel. Anteil: 15 %. Erdnussmehl (anisiert):
Hier wurde dem Erdnussmehl bereits ein Lockstoff zugesetzt - Anis. Ein hervorragender Futterzusatz, der in Frankreich und Belgien hoch im Kurs steht und auf den die dicken Rotaugen stehen. Anteil
ebenfalls bis zu 15 %. Spekulatiusmehl: ein ausgezeichneter Kleber und Binder. Lockt zusätzlich noch mit seinem würzigen Geschmack,
ideal für alle Schleckermäuler. Spekulatius mischen Sie bis zu etwa 25 % unter das Futter. Je stärker die Strömung, desto größer der Anteil. Biskuitmehl:
Wegen der vielen Zuckerstoffe klebt und bindet es das Futter gut und ist zudem ein gefundenes Fressen für alle Karpfen, Schleien und Brassen. Anteil am Futter 5 bis 20 % (bei großem Strömungsdruck schon mal
25 Prozent). Doch Vorsicht: Wer die Dosis gutgläubig erhöht, hat schnell Betonfutter, das sich erst nach Stunden auflöst. Waffelbiskuit:
hat eine geradezu magische Anziehungskraft auf dicke Brassen und sollte in keinem Sommerfutter fehlen. Anteil: 5 bis 15 %, aber Achtung, ebenfalls sehr gute Klebeigenschaften.
Schokobiskuit:
ist wegen des unverwechselbaren Schokogeruchs ein absoluter Renner unter den Stippern. Neben den gleichen Eigenschaften wie Waffelbiskuit färbt es noch das Futter
dunkel. Vorteil: An überfischten Gewässern und solchen mit einem großen Raubfischbestand schreckt der dunkle Futterteppich die Friedfische nicht so schnell ab und Sie fangen deutlich mehr. Weizenmehl:
festigt das Futter und verbessert den Geschmack und die Lockwirkung der Aromen. Anteil: gut 200 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter. Kartoffelflocken:
Werden sie dem Futter beigemischt, so haben sie eine gute Klebeeigenschaft (ähnlich wie Haferflocken). Sie lösen sich aber schneller und besser auf, anders als Haferflocken,
die aus einem guten Futter schnell einen Haufen Beton machen. Streuen Sie einige Kartoffelflocken auf das bereits angefeuchtete Futter. Die trockenen Flocken tanzen unter
Wasser wie Schneeflocken über dem Futterplatz und locken so die Fische an.
Lockstoffe sind die Würze in der Suppe der Stipper. Damit Sie bei der Vielfalt der angebotenen Aromen nicht die
Nase rümpfen, hier die wichtigsten Stoffe und ihre Einsatzgebiete: Anis (Stemanis): ist als Friedfischaroma unter Stippern weltweit bekannt und beliebt. Die Stärke des angenehmen
Anisaromas liegt eindeutig im Sommer. 100 Gramm gemahlene Aniskörner auf 5 Kilogramm haben sich bestens bewährt. Fenugrec:
ist der totale Gegensatz zu den süßlichen Lockaromen. Und dennoch zählt dieser Lockstoff mit dem strengen Maggie-Geruch zu den besten Aromen für Sommerbrassen. Sein Anteil liegt bei etwa 50 bis maximal 150
Gramm pro 5 Kilogramm Trockenfutter. Cumin (Kreuzkümmel): ist anders als Anis ein hervorragendes Winteraroma. Mit rund 1 % im Futter lockt es Friedfische in Scharen an. Kurkuma:
färbt Futter und Maden leicht gelblich, fördert die Verdauung und erhöht vor allem in der kalten Jahreszeit die Erfolge auf Brassen und Rotaugen. Mit gut 100 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter liegen Sie genau
richtig. Fenchel: fördert die Verdauung und ist im Verhältnis 1:1 mit Cumin gemixt ein prima Lockzusatz fürs Winterfutter.
Der Anteil von gemahlenen Fenchelkörnern sollte die 100-Gramm-Grenze aber nicht überschreiten. Koriander: appetitanregender Aromateil zur allgemeinen Verbesserung des Futters. Mit gemahlenen Koriandersamen
lassen sich alle denkbaren Lockaromen kombinieren. Oft entfalten sie erst dann ihre ganze Intensität. Etwa 50 bis 200 Gramm pro 5 Kilogramm Trockenfutter. Cardamon:
ist die etwas teurere Alternative zu Koriander. Es hat die gleichen Vorzüge, muss aber sparsamer dosiert werden, sonst wird das Futter zu scharf. Maximal 100 Gramm auf 5 Kilogramm Futter. Liebstöckel:
ist ein unschlagbares Aroma auf alle großen Brassen. Das bittere Maggie-Gewürz hat schon so manchen Schwarm an schwülen Sommertagen verrückt gemacht. Anteil gut 50 Gramm auf 5 Kilogramm. Macis:
hat eine ähnliche Wirkung auf die Verdauung wie Koriander oder Kurkuma. Vorteil von Macis: ist unter Stippern eher unbekannt und daher an überangelten Gewässern kaum zu schlagen. Wer mit Macis lockt, sollte kein
anderes Aroma verwenden. Etwa 100 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter sind die Faustregel. Tonkabohne: ist wohl eines der teuersten und empfindlichsten Zutaten. Tonkabohne hat den Ruf, die Fische am
Platz zu halten oder zurückzulocken, wenn der Schwarm einmal Lunte gerochen hat. Einen Teelöffel (gerieben) in das Trockenfutter geben und einige Tage durchziehen lassen. Erhältlich z.B. in Esoterik-Shops.
Bockshornklee: erinnert, wenn er ganz frisch ist, an FeInugrec und hat auch etwa die gleiche Wirkung. Zimt:
ist nicht nur für den menschlichen Gaumen ein Genuss, auch Friedfische fahren darauf ab. Belgische Stipper
schwören vor allem an schlechten Beißtagen auf die Kombination Vanille/Zimt oder Koriander/Zimt. Anteil: gut 50 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter.
Vanille:
kennt jeder, nimmt jeder und die Fische lieben es. Ob alleine oder in Kombination mit mehreren Aromen - Vanille rundet das Futter stets gut ab. Anteil: zwischen 50 und 250 Gramm auf 5 Kilogramm Trockenfutter.
Caramel (Toffee): nicht nur Brassen sind geradezu verrückt darauf, sondern auch alle übrigen Weißfische haben das ganze Jahr über eine Schwäche dafür. Auch wenn gesagt wird, im Winter
läuft nur herbes Futter - Caramel ist da die Ausnahme. Aus diesem Grund finden Sie Caramelaroma auch in vielen Speziallockstoffen bekannter Firmen wieder.
Weitere Komponenten für das Futter sind
Angelerde, diese wird verwendet um Wolken zu bilden (hierfür lässt sich auch trockene Kompost- oder Maulwurfserde hervorragend verwenden), und Angellehm
. Letzterer nimmt wenig Wasser auf und macht das Futter schwer, so dass dieses schnell zum Grund absinkt. Im Handel gibt es weitere Beschwerer oder “Kleber”, so z.B. Betonit von Mosella. Dieses dient ebenfalls zum
“härten” der Futterballen. Übrigens geht dafür Katzenstreu (klumpend) genauso. Dieses muss lediglich etwas zerstoßen werden.
Und in unserem dritten Teil zum Friedfischfutter geht es um das Mixen der fertig erhältlichen Futter.
Autor: <og>, 26.12.2002
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