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Angeln auf Rotfeder
Standorte
Rotfedern sind vorwiegend Oberflächenfresser
und halten sich in geringeren Tiefen auf, wenngleich sich die älteren Exemplare ihre Nahrung lieber am Grunde suchen, wo sie eine solidere und abwechslungsreichere Kost finden. Die Schwärme, in denen sie auftreten,
bestehen aus Fischen aller Größen, wobei sich die älteren und größeren gern in der Mitte halten. Meistens revieren oder stehen sie zwischen den Wasserpflanzen, kommen aus der Tiefe oder wandern zurück, je nachdem
was für ein Wind herrscht oder wie die Wassertemperatur ist. Sie scheinen sich lieber im ruhigeren Teil eines Sees aufzuhalten, wo sie keine Wellen stören und die Wassertemperaturen durcheinander bringen.
Rotfedern laichen zwischen Mai und Juni in den Krautbetten. Oft findet man sie noch Mitte Juni voll Laich, und die geringste Berührung ihrer Flanken genügt dann, dass Rogen oder Milch austreten. Gegen den Herbst
lässt ihr Appetit nach. Im Dezember fallen sie in eine Art Winterstarre, aus der sie allenfalls an sonnigen Tagen vorübergehend erwachen.
Köder
Zu den gängigsten gehören die Brotpasten und
Krusten, Würmer, Maden, Larven, Mais, natürliche und künstliche Fliegen. Der Brotflockenköder ( vgl. Plötze ) besteht aus der weichen Krume eines frischen Weißbrots. Wir drücken sie auf den Haken, wobei die Ränder unregelmäßig bleiben, oder wir kneten ihn und führen dann den Haken ein. Langsam sinkend gefischt ist er ausgezeichnet. Brotkruste lässt sich über Nacht pressen, wenn man sie vorher
in heißem Wasserdampf aufgeweicht hat. Am Morgen schneidet man sie in passende Stücke. Größen von ½ bis ¾ cm sind ausreichend. Auch altes Brot lässt sich in Würfel schneiden und
an Haken Nr. 10 bis 12 besonders in mitteltiefem Wasser anbieten. Recht gut sind auch alle Pasten aus Mehl, zumal wenn man geriebenen oder gekneteten Käse zusetzt. Eine einzelne Made,
leicht auf einen Haken Nr. 10 bis 12 gesteckt, wird oft gute Fische bringen. Doch wo es sich um große Exemplare handelt, dürfen wir auch mehrere anbieten. Maden sollten möglichst langsam absinken.
Blutwürmer ( rote Zuckmückenlarven ) sind besonders gute Köder, müssen aber an kleinen Haken serviert werden ( 18- 20 ). Auf Grund oder zwischen Wasserpflanzen angeboten, fangen
sie prächtig. Rotwürmer und Gelbschwänze sind ebenfalls verführerisch. Den Wurm fischt man langsam auf den Grund
sinkend, wenn man große Rotfedern fangen will. Madenpuppen sind wie alle anderen Puppen von Kleininsekten nützlich, wenn sie an der Oberfläche präsentiert werden.
Kleine Blutegel fangen auch gut, müssen aber sorgfältig geworfen werden, sonst fallen sie vom Haken. Desgleichen
junge Wasserschnecken und - Flohkrebse. Sie müssen allerdings durch den Rücken gehakt werden, damit sie sich lebhaft bewegen können. Unfehlbar können fliegende Ameisen sein, wenn sie gerade über dem Gewässer
schwärmen. Zum Anfüttern nehmen wir am besten geriebene Krümelköder aus Brot oder Zwieback. Diese erzeugen im Wasser
ein Art Futterwolke. Auch ein Stück Brot, an einen Stein gebunden und auf den Grund geworfen, lockt Fische aus der Nachbarschaft heran.
Eine Kombination aus Anfütterungs- und Fangköder besteht aus schwimmender Brotkruste, die man in Panierkrümeln gewälzt hat. Die Krümel lösen sich im Wasser ab, während die Kruste schwimmt. Sie bilden eine
sinkende Futterwolke, während die Kruste am Haken auf besonders kapitale Rotfedern wartet. Mit Anfüttern sollte man sehr sparsam sein, zumal in stehenden Gewässern. Während des Angelns ist es ganz
nützlich, dann und wann ein paar Stückchen des Hakenköders einzuwerfen.
Gerät
Rotfedern fangen wir an der gleichen Rute wie die Plötze. Allerdings sind in den meisten Gewässern ziemlich weite
Würfe erforderlich. Dafür brauchen wir eine Rute mit durchgehender Aktion, und die Stationärrolle ist geeigneter.
Die Schnur sollte eine Tragkraft von 3 Pfund haben, wenn nicht Wasserpflanzen stärkere Reißfestigkeit erfordern.
Gelegentlich lässt sich der Fisch nur auf ganz feines Geschirr ein, und wir müssen auf 1000 bis 500 Gramm Tragkraft zurückgehen.
Schwimmer: In vielen Gewässern wird die Stachelschweinpose bevorzugt, doch werden auch Korken, Balsaholz, Kunststoffposen und Wasserkugeln verwendet, wenn man größere Entfernungen überwerfen muss. Dann sollte das
Floß gut sichtbar sein. Die Bleischrote zur Beschwerung verteilen wir auf die obere Hälfte der Angel zwischen Floß und Haken. Wo man
weiter werfen muss, sollte wenigstens ein Schrot tiefer sitzen, damit Haken und Köder nicht beim Wurf zurückbleiben und sich um das Floß schlingen. Die Wasserkugel gleitet frei beweglich an der Schnur und wird nur
durch ein kleines Spaltschrot davon abgehalten, zu tief zu rutschen. Die Wurfschnur muss natürlich gut schwimmen und daher gefettet werden.
Angelmethoden
Die bei weitem beste Form, auf Rotfedern zu fischen, ist an oder wenig unter der Oberfläche. In Seen wachsen die
Wasserpflanzen weiter draußen bis dicht unter der Oberfläche hoch, am Rande liegen ihre Blätter meist auf dem
Wasser. Danach richtet sich oft die Standhöhe der Rotfedern. Die stärkeren Exemplare revieren über den tieferen
Pflanzen und kommen erst in der Dämmerung in Ufernähe. Am leichtesten entdeckt man jene, die nach Insekten
"steigen". Wo das nicht der Fall ist, und wo der Angler über die Boden und Krautverhältnisse weiter draußen nicht
informiert ist, muss er größere Strecken durch Fächerwürfe absuchen, bis er einen Schwärm gefunden hat. Hat er Glück und sieht er den Schwärm, empfiehlt es sich, ihn zu überwerfen und das Floß vorsichtig
heranzuziehen. Das verscheucht die Fische weniger, als wenn man die Angel genau in den Schwärm setzt. Stehen
sie tiefer, so verschwindet das Floß beim biss unverkennbar. Doch fassen sie unter der Oberfläche zu, so segelt es
meist seitwärts weg. Beim Anhieb muss man oft eine Menge Schnur bewegen, was ihn verzögert. Daher empfiehlt sich auch keine zu kurze Rute.
In großen Seen ist das Fischen vom Boot aus beliebt, besonders in flachen Gewässern. Dort ist es üblich, das Boot zwischen zwei Rudern festzulegen, die man in den Grund drückt, einige Bootslängen von den Kanten der
Schilfwälder entfernt. Man wirft die Angel von außen an die Rohrgrenze. Sieht man keine Fische, so bindet man ein
paar Brotstücke an einzelne Rohrhalme, fährt vorsichtig wieder hinaus und hofft, die Lockspeise wird einen Schwärm anziehen.
Das Anfüttern in flachen Seen ist problematisch, wenn es dort Wassergeflügel gibt. Sobald man größere Mengen von Grundködern einwirft, erscheinen die Vögel noch vor den Fischen. Sie tauchen und machen sich über das
Futter her, und nichts kann einen schönen Angelmorgen so gründlich stören wie diese Bless- und Teichhühner, denen wir unser Feld räumen müssen. Daher immer sparsam anfüttern und am besten mit Futterwolken arbeiten,
die nicht massiv genug sind, um ungebetene gefiederte Gäste anzuziehen. Rotfedern haben eine besondere Vorliebe für Fliegen, nass oder trocken gefischt. Die nasse Fliege ist durchweg
erfolgreicher. Leichtes Forellengeschirr reicht aus, sofern man damit einigermaßen weit werfen kann; eine verjüngte
Schnur ist nicht erforderlich. Bei der Trockenfliege muss sie natürlich schwimmen. Bei der nassen erhöht sich die
Wirkung, wenn man zusätzlich eine Made an den Haken hängt oder diese durch ein Stückchen weißen Stoff oder
Ziegenleder imitiert. Fast jede kleine Fliege ist geeignet, wer sich aber seine Fliegen selber macht, sollte von vornherein einen Schnipsel weißes Ziegenleder einbinden.
Fliegen können auch von der Stationärrolle serviert werden, wenn man mit einem Floß oder mit der Wasserkugel
über der Fliege fischt. Wird sie ein wenig beschwert, so fliegt sie besser und verhängt sich nicht so leicht an der
Wasserkugel. Beim Nassfischen heißt es auf die Schnur achten, wenn man einen Biss sehen will. Das erfordert gute Augen und Erfahrung. |