Logo Teil 1 von angeltreff.org

Logo Teil 2 von angeltreff.org      

über das team angeltreff suchen auf angeltreff.org
Startseite von angeltreff.org alles über Fische Angelgerät, Infos zu den Techniken, sowie Tipps und Tricks Gesetze, Rezepte und vieles mehr Angelreisetipps weltweit, Reiseveranstalter Bücher, CDs, Zeitschriften u.v.m. Gewässertypen, Naturschutz, Probleme mit Wasserkraftwerken...
 
 

 

 
   

TOD DEN RUTTEN

Wenn im Dezember, Januar und Februar die meisten Sportfischer ihre Angelgeräte in die Ecke stellen, ist die günstigste Zeit, dem schädlichsten aller Raubfische zu Leibe zu rücken: der Rutte (Trüsche, Quappe, Aalrutte oder Aalquappe). Dr. Heintz hat vollkommen recht, wenn er schreibt: ,Die möglichste Vertilgung dieses für den Laich, die Brut und die jüngeren Jahrgänge der Edelfische gleichmäßig gefährlichen Räubers muß dem Sportfischer am Herzen liegen." Doch das ist leichter gesagt als getan. Die Rutte oder Trüsche, wie sie in Bayern heißt, ist bekanntlich ein Nachträuber und man bekommt sie nur selten an die Handangel. Wohl geht sie an die Legangel, die mit Würmern oder toten Fischchen beködert ist. Aber es besteht die Gefahr, daß sich auch Forellen daran fangen. Erfolgreicher gestaltet sich der Fang mit der Reuse, wobei man allerdings riskieren muß, daß sich "Schwarzfischer" Fanggerät und Fische als willkommene leichte Beulte aneignen. An den Spuren im Schnee ist ja der Einlegeplatz der Reusen unschwer auszumachen. Auch mit dem Netz ist den Rutten nicht beizukommen, da sie sich ja tagsüber in Schlupfwinkeln versteckt halten.
Gibt es nun wirklich kein Mittel dieses aalglatte, schwarz-marmorierte Nachtgesindel zu fassen?
Es gibt eines! Buben, die sich in den Wintermonaten an meinem Wasser zu schaffen machten, brachten mich auf eine ganz einfache, aber erfolgreiche Fangmethode. Ich beobachtete sie, wie sie unentwegt alle erreichbaren Büchsen, Eimer sowie sonstiges Gerümpel aus dem Wasser zogen und am Ufer umstulpten. Und siehe da, gar oft wand sich in dem herausquellenden Schlamm eine Rutte! Freilich mancher der gefährlichen Gesellen ging den Buben durch die Linsen. Er hatte rechtzeitig noch seinen Unterschlupf verlassen, bevor dieser ans Land gezerrt war. Auf Grund dieser Beobachtung machte ich nun folgenden Versuch: Ich suchte mir zunächst auf Abfallplätzen, die es ja in der Nähe jeder Ortschaft gibt, 1 m lange Ofenrohre. Diese drückte ich an dem einen Ende bis auf einen schmalen Spalt zusammen, am anderen offenen Ende brachte ich einen festen Draht an. Diese so präparierte "Ofenrohrreuse" legte ich an engen, aber tiefen Stellen, die die Rutten bei ihrem Laichzug passieren mußten, das offene Ende flußabwärts gerichtet, ins Wasser. Den Draht befestigte ich an der unteren Astgabel einer kräftigen Gerte, die ich, wieder unter Wasser, fest in die Uferwand preßte. So waren meine "Reusen" unberechtigten Augen entzogen, für mich aber doch ausreichend markiert.

Voll Spannung sah ich dem Tage entgegen, da ich wieder ans Wasser gehen konnte. Vorsichtig zog ich als erstes die Gerte heraus, nahm dann durch den Draht Fühlung mit dem Rohr und als ich sie hatte, hob ich das Rohr mit einem Ruck ans Ufer. Was sich jetzt meinen Augen darbot, als ich das Rohr umkippte, übertraf meine kühnsten Erwartungen. Nicht weniger als 10 Rutten von 1/4-2 Pfund quelten aus meiner ersten "Reuse" heraus. So hob ich ein Rohr nach dem anderen aus dem Wasser - ich hatte 5 Stück eingelegt- und nicht eines war leer. Mit 22 Rutten im Rucksack verließ ich voll Befriedigung über meine Erfindung das Wasser.

Von Ende Dezember bis Mitte Februar hatte ich mit dieser zwar unsportlichen, aber erfolgreichen Fangmethode mein Äschen- und Forellenwasser um knapp 11/4 Zentner seiner schlimmsten Feinde befreit.
Das so plötzlich einsetzende „Petri-Heil“ stellte mich vor ein neues Problem: Wohin mit all dem Segen? So sehr ich das Fleisch der Rutte, insbesonders aber die Leber schätze, ich konnte doch nicht jeden Tag Fisch essen. Auch in meinem Bekanntenkreis fand ich bald keinen Abnehmer mehr; ein Verkauf kommt für den Sportfischer nicht in Frage. Da wußte meine Frau Rat: Sie machte einfach Anguilotti. Wie daß geht? Die gesalzenen Rutten - am besten eignen sich die kleineren - werden, ohne sie vorher im Mehl umzudrehen, auf der Pfanne in ÖI, nicht Fett, gebraten. Dann legt man sie in Essig, dem man je nach Geschmack die üblichen Gewürze beigibt: Lorbeer, Nelken, Pfefferkörner, Salbei usw. Bereits nach 14 Tagen können Sie dann ungläubige Sportkameraden zu echten deutschen Anguilotti einladen, gefangen in der "Ofenrohrreuse".

J. E. Fischer
veröffentlicht in „Allgemeine Fischerei-Zeitung“, 1953






Angler-Forum     Banner     Impressum     Datenschutzerklärung     Anglerpraxis.de



Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt mit Unterstützung von anglerboard.de.

Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
Das Kopieren von Bildern und Texten von Angeltreff.org ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

© 2000-2008 Angeltreff.org

Technical support by MLIT